Title:

Robert Surcouf

Description:  Story by Karl May
deutsch
  
ISBN: 3780200783   ISBN: 3780200783   ISBN: 3780200783   ISBN: 3780200783 
 
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Robert Surcouf


Vor Toulon.


Es war am Maternustage des Jahres 1793. Wochenlang hatte man auf die gesegneten Fluren der Provence das Bibelwort anwenden können: ”Der Himmel über dir soll sein wie brennendes Erz und die Erde unter dir wie glühendes Eisen.“ Heute früh aber hatte sich der Horizont mit dichten, cumulirenden Wolken umlagert, deren Säume sekundenlang von zuckenden Blitzen illuminirt wurden, während die krachenden Schläge des Donners die Felsen der Küste erschütterten und an den gischtumspritzten Wogenkämmen ihre Echo's zu vertausendfachen schienen.

Der prasselnde Regen goß in solcher Dichtigkeit herab, daß ihm keine Kleidung länger als eine Minute zu widerstehen vermochte und wohl jedes lebende Wesen sich schon längst unter ein schützendes Obdach zurückgezogen hatte. Ein Einziger nur befand sich im freien Felde. Er schritt die Straße dahin, welche durch Wein- und Olivenpflanzungen nach dem Städtchen Beausset führt. Sein Gewand war leicht und sommerlich gearbeitet; vom Regen vollständig durchdrungen, legte es sich eng wie eine Haut an seine schlanke, kräftige Gestalt; aber das schien ihn nicht im Mindesten zu geniren. Sein jugendliches Gesicht lächelte vergnügt in den Gewitterguß hinein, und seine elastischen Schritte waren ganz diejenigen eines Spaziergängers, welcher nicht die geringste Veranlassung, sich zu beeilen, hat.

Da tauchte vor ihm, an der Seite der Straße, ein kleines Häuschen auf. Zu beiden Seiten der Thüre desselben waren je zwei in einander gesteckte Dreiecke angebracht, und darüber stand in halb verwaschenen Lettern zu lesen: ”Cabaret du roussillon.“ Er blieb trotz des strömenden Regens ganz gemüthlich vor dem Häuschen stehen, schob die Mütze in das Genick, stemmte die Fäuste in die Hüften und betrachtete die Inschrift genau.

”Cabaret du roussillon! Ob dieser Roussillon wohl ächt sein wird? Das Haus sieht nicht darnach aus. Nasser werde ich nicht, wenn ich weiter gehe, und ich weiß dann ganz genau, daß ich es mit reinem Gotteswasser zu thun habe. Wasser ist die herrlichste Gabe des Himmels, aber im Weine soll man es nicht finden. Ich werde also weiter segeln und erst in Beausset vor Anker gehen.“

Schon wandte er sich, um seinen Weg fortzusetzen, als die Thür sich öffnete und eine Person erschien, in welcher man sofort den Wirt erkennen mußte.

”Eh, mon cher, wohin wollen Sie?“ erklang eine schrille, fette Weinstimme unter der blauen Nase hervor. ”Ist es vielleicht geradezu Ihre Absicht, in diesem Wolkenbruche ertrinken zu wollen?“

”Das weniger,“ antwortete der Wandersmann. ”Vor diesem Wetter fürchte ich mich nicht, wohl aber vor einem Wolkenbruche aus Ihren Fässern.“

”Dann kommen Sie getrost herein, denn wir haben ganz denselben Geschmack, und ich bin nicht der Mann, welcher einen guten Bürger mit einem schlechten Wein vergiftet.“

”So will ich Eurem Worte glauben und auf fünf Minuten beidrehen. Hollah, ein neuer Mann an Bord!“

Diese letzten Worte sprach er, bereits in die Stube tretend, wo er sich das Wasser möglichst aus den Kleidern schüttelte, ungefähr wie es ein nasser Pudel macht, und dann auf dem Stuhle Platz nahm, den ihm der Wirth herbeigezogen hatte. In dem kleinen Raume sah es außerordentlich kriegerisch aus. Er war ganz von Soldaten des Convents erfüllt, und außer dem zuletzt Eingetretenen und dem Wirthe gehörte nur ein einziger Gast dem Civile an; dies war ein Missionspriester vom Orden des heiligen Geistes, welcher im Jahre 1703 von Abbé Desplaces, Vincent le Barbier und J. H. Garnier in Paris gestiftet wurde. Dieser Priester saß still in seiner Ecke und schien sich mehr mit seinen Gedanken als mit seiner Umgebung zu beschäftigen. Er mußte ein ungewöhnlicher und mit einem ganz besonderen Muthe begabter Mann sein, sonst hätte er sich nicht unter diese wilde Soldateska gewagt. Es waren damals in Frankreich bereits alle geistlichen Orden aufgehoben, und man hatte von sämmtlichen Geistlichen die Ablegung des Bürgereides verlangt. Wer diesen Eid verweigerte, wurde als Rebell behandelt. Es war eine Zeit der wildesten Anarchie. Wenige Tage nach dem Beginne unserer Erzählung, nämlich am 6. Oktober 1793, schaffte man die bisherige Zeitrechnung ab; am 10. November führte die Pariser Commune denDienstderVernunftein; am 7. Mai 1794 verfügte der Nationalconvent, daß eskeinenGottmehr gebe, und am 24. desselben Monats befahl dieser Convent, daß kein Bürger mehr an dieUnsterblichkeitderSeeleglauben dürfe. Unter diesen Umständen war es gewiß ein Beweis außerordentlichen Muthes, sich im Ordenskleide unter die halb betrunkenen Krieger der Revolution zu wagen, eine Kühnheit, welche sehr leicht verhängnißvoll werden konnte.

Ein bärtiger Sergent-major war der Erste, welcher den eingetretenen Fremden anredete: ”Holla, Bürger, woher des Weges?“ ”Ein wenig von der Durance herunter.“ ”Und wohin, he?“ ”Nach Beausset hinein.“ ”Was willst Du dort?“ ”Einen Freund besuchen. Hast du vielleicht etwas dagegen?“ ”Hm! Vielleicht, vielleicht auch nicht.“ ”Aaah!“ Er stieß diesen Laut nur leise und langsam aus, aber es wäre wohl nicht möglich gewesen, einer ironischen Stimmung sprechender Luft zu machen. Er legte die Beine über einander, schlug die Arme über der Brust zusammen und blickte den Sergent-major mit ein paar Augen an, in denen Alles, nur keine Bewunderung zu lesen war. Dieser junge Mann konnte höchstens zwei- oder dreiundzwanzig Jahre zählen, aber diese hohe Stirn, diese breiten Schläfen, die dichten Brauen, der mächtige Blick, die scharfe Adlernase, der energisch gezeichnete Mund, der sehnige, von der Sonne gebräunte und vom Hemdkragen bloß gelassene Hals, die breiten Schultern, der geschmeidige Gliederbau, das Alles machte den Eindruck des Gereiften, des Achtunggebietenden, des Ungewöhnlichen.

”Was wunderst Du Dich da, Bürger?“ frug der Unteroffizier. ”Glaubst Du, daß zum Hauptquartiere in Beausset ein Jeder Zutritt habe, dem es beliebt?“

”Das glaube ich nun freilich nicht; aber glaubst Du vielleicht, Bürger Sergent-major, daß Du es bist, den man um die Erlaubniß zu fragen hat?“

”Schweig! Ein jeder Soldat hat die Pflicht, die Sicherheit des Heeres zu bewachen! Wie ist Dein Name, Bürger?“

”Surcouf,“ antwortete der Gefragte mit einem etwas malitiösen Zug um seine Mundwinkel. ”Der Vorname?“ ”Robert, Robert Surcouf.“ ”Was bist Du?“ ”Seemann.“ ”Ah, drum tappst Du in aller Seelenruhe wie eine Ente da draußen im Wasser herum! Wer ist der Freund, den Du besuchen willst?“

”Der Bürger Grenadier Andoche Junot.“ ”Andoche Junot,1) der Advokat gewesen ist?“ ”Ja, derselbe.“ ”Das ist ein guter Kamerad. Woher kennst Du ihn?“ ”Wir sahen uns zu Bussy le Grand, wo er geboren wurde.“ Derselbe Junot, welcher später Herzog von Abrantes wurde. ”Das stimmt! Du bist legitimirt, Bürger Surcouf. Junot steht bei meiner Compagnie; ich werde Dich zu ihm bringen. Vorher aber magst Du mit uns trinken.“

”Was habt Ihr für Sorten?“

”Nur eine: Roussillon; aber ist stark und lieblich zugleich. Probire ihn!“

Der Wirth brachte ein großes Humpenglas des berühmten Getränkes, und alle Hände streckten sich aus, es auf Rechnung des Fremden anzutrinken. Dieser ließ sich dies lachend gefallen; er gab zu, daß man das Glas immer von Neuem füllen ließ und wieder austrank, und als der Wirth wegen der Bezahlung ein bedenkliches Gesicht zu machen begann, zog er eine Handvoll Assignaten aus der ledernen Brieftasche und warf davon mehr als nöthig auf den Tisch. Bei diesem Anblick erhob sich großer Jubel; der Wirth mußte von Neuem füllen, und nun wurde auch der geistliche Herr bedacht, dem man bisher noch keinen Schluck gegönnt hatte. Der Sergent-major trat zu ihm, hielt ihm den Humpen entgegen und forderte ihn auf:

”Steh auf, Bürger Confrère, nimm das Glas und trinke auf das Wohl des Convents, der den Papst zum Lande hinausgeworfen hat!“

Der Priester erhob sich wirklich und ergriff das Glas; aber anstatt den geforderten Toast zu bringen, sprach er mit sanfter, jedoch fester Stimme:

”Gott hat uns diese Gabe nicht zur Lästerung gegeben. Im Weine ist Wahrheit, und ich will nicht eine Lüge sagen. Ich trinke auf das Wohl des heiligen Vaters in Rom, den die Heerscharen des Himmels beschützen werden!“

Er wollte das Glas zum Munde führen, aber ein Faustschlag des Sergent-major schmetterte es ihm aus der Hand, so daß es am Boden in Stücke zerschellte.

”Was fällt Dir ein, Bürger Confrère!“ rief der Unteroffizier. ”Weißt Du nicht, daß in unserm schönen Frankreich der alte saint-père abgesetzt worden ist? Wie lange wird es dauern, so wirft man auch Euch selbst hinaus mit Allem, was Ihr uns weis gemacht habt! Ich befehle Dir, Deinen Toast zu widerrufen!“

Da drängte sich ein Anderer, ein Tambour-major, hinzu:

”Halte-là, Alter! Warum zerschlägst Du ihm das Glas? Bürger Wirth, gib ein neues, volles her! Dieser da gehört ganz sicherlich zu denen, welche sich weigern, den Bürgereid zu leisten. Wir werden ihn auf die Probe stellen, und wehe ihm, wenn er sie nicht besteht!“

Der Wirth brachte das Verlangte; der Tambour-major drückte dem Priester das gefüllte Glas in die Hand und befahl ihm: ”Jetzt trinke mir zu, Bürger, und rufe laut: ""Es ["Es] lebe die Republik; nieder mit dem Papste!"“ Der Bedrängte zeigte nicht die mindeste Angst. Sein Angesicht war bleich, aber seine Augen blitzten, als er, das Glas erhebend, rief: ”Es lebe der heilige Vater; nieder mit den Feinden Frankreich's und den seinen!“

Da erhob sich unter der rohen Horde ein wüstes Geschrei; zwanzig Hände streckten sich aus, den muthigen Bekenner seines Glaubens zu ergreifen, um ihn zu mißhandeln, aber man kam nicht dazu: der Fremde hatte sich herbeigedrängt. Niemand konnte sagen, wie es kam, aber er stand plötzlich vor dem Priester, den er mit seinem Leibe deckte, und rief mit lächelnder Miene: ”Bürger, wollt Ihr mir einen Gefallen thun?“ ”Welchen?“ ”Seid so gut und ringt erst mir das Wasser aus der Jacke, ehe Ihr Euch an diesem Gottesmann vergreift!“

Sie begriffen wirklich seine Absicht nicht sogleich; sie wurden irre an dem Lachen seines Auges und an der Freundlichkeit seines Tones; aber in diesem Auge und in diesem Tone lag Etwas, was sie stutzen machte.

”Deine Jacke?“ frug der Sergent-major. ”Was haben wir mit dieser zu thun? Gehe auf die Seite, Bürger Surcouf; wir wollen diesem Heuchler eine Litanei einpauken, die er nicht vergessen soll!“

”So erlaubt wenigstens, daß ich erst einen Schluck mit ihm trinke!“

Er nahm dem Priester das Glas aus der Hand und fragte ihn: ”Wie ist Dein Name, frommer Vater?“ ”Ich werde Bruder Martin genannt,“ antwortete der Gefragte. ”Eh bien, Bruder Martin, so erlaube, daß ich mit Dir trinke auf Dein Wohl, auf das Wohl aller muthigen Männer, welche sich nicht fürchten, die Wahrheit zu bekennen, auf das Wohl meiner schönen Bretagne, wo ich geboren bin, auf das Wohl meines Vaterlandes, auf den Sieg unsers 0Glaubens und auf das Wohl aller ehrwürdigen Diener der heiligen Kirche, welche Gott der Herr beschützen möge!“

Er setzte das Glas an die Lippen und trank es bis zur Nagelprobe aus. Einige Sekunden lang herrschte tiefe Stille in der Stube, die Stille der Ueberraschung, dann aber brach der Sturm los. Alle Stimmen schrien, und alle Fäuste ballten sich; man drängte sich zornig heran, aber der lange Tambour-major breitete die Arme aus und hielt die Andern zurück.

”Halt, Bürger Kameraden!“ rief er. ”Der Soldat muß bei jedem Angriffe nach bestimmten Regeln verfahren. Dieser Mensch, der sich Bürger Surcouf nennen läßt, scheint mir kein Seemann, sondern ein verkappter Emissair des Papstes zu sein. Wir wollen ihn einmal auf die Bank legen und mit dem Stock befragen. Bürger Sergent-major, faß an!“

Die beiden starken Menschen streckten die Hände aus, um Surcouf zu erfassen, flogen aber – so schnell der Eine in diese und der Andere in jene Ecke, daß Niemand eigentlich begreifen konnte, wie es geschehen war. Ein Schrei der Wuth erscholl ringsum, und nun ließ sich Keiner mehr halten, sich auf die beiden Angegriffenen zu werfen. Da aber ertönte ein lautes Krachen; Surcouf hatte ein Bein vom Tische gebrochen und schlug damit einen so regelrechten Achter, daß sofort Zwei, am Kopfe scharf getroffen, zu Boden stürzten, die Anderen aber sich schleunigst zurückzogen.

”Glaubt Ihr nun, daß ich Seemann bin?“ lachte er. ”Ein Schiffer weiß so ein petit levier1) schon zu gebrauchen! Ist das der Dank, daß Ihr meinen Wein getrunken habt, Ihr Memmen, die Ihr Euch an zwei Männer wagt, weil Ihr über Dreißig zählt? Kommt her und legt den Robert Surcouf auf die Bank, wenn Ihr könnt!“ ”Drauf auf sie!“ brüllte der Sergent-major. Surcouf ließ das Tischbein wieder wirbeln; aber die Hinteren drängten die Vorderen, und es hätte gewiß ein Unglück gegeben, wenn nicht eben jetzt eine helle, scharfe, gebieterische Stimme von der Thüre her gerufen hätte:

”Cessez à l'instant! Was geht hier vor?“

Draußen vor den Fenstern sah man einen kleinen Reitertrupp halten, und unter der Thür stand derjenige, welcher gesprochen hatte. Er war von kleiner, schmächtiger Gestalt; sein hageres, scharf geschnittenes Gesicht zeigte eine bronzene Färbung; die breite Stirn bedeckte ein Dressenhut, und die Gestalt war in einen weiten Regenrock gehüllt. Beim Anblick dieses Mannes zogen sich die Angreifer erschrocken zurück, indem sie mit der tiefsten Ehrerbietung salutirten. Er mochte vierundzwanzig Jahre zählen; sein bartloses Gesicht blieb vollständig regungslos, aber sein mächtiges Auge blitzte im Kreise umher und blieb dann auf demjenigen haften, welcher unter den Anwesenden die höchste Charge bekleidete: ”Bürger Tambour-major, berichte!“ Der Genannte, dem bereits der Angstschweiß auf die Stirne zu treten begann, erzählte in kurzer, soldatischer Weise:

”Hier ist ein Pfaffe, mon Colonel, und ein päpstlicher Emissair, welche uns beleidigten.“

”Und darauf antwortet Ihr mit Schlägen! Welcher ist der Emissair?“ ”Der mit dem Tischbeine.“ ”Woher weißt Du, daß er ein Emissair ist?“ ”Ich vermuthe es.“ ”Très bien, Bürger Tambour-major. Du bist fertig; nun mag auch Er sprechen!“

Surcouf trat einen Schritt vor und blickte dem Offizier furchtlos in die Augen.

”Mein Name ist Surcouf, Bürger Colonel; darf ich um den Deinigen bitten?“ Handspeiche, Brechstange. ”Ich heiße Bonaparte,“ erklang es kalt und stolz.

”Also ich heiße Surcouf, Robert Surcouf, bin Seemann und wollte nach Beausset, um meinen Freund Andoche Junot, den Advokat und Bürger Grenadier, zu besuchen. Ich trat hier ein, ließ diese Bürger Soldaten Wein auf meine Rechnung trinken, bis sie von diesem würdigen Priester verlangten, daß er auf das Verderben seines höchsten Oberhauptes, des heiligen Vaters, trinken solle. Er that es nicht, und darum wollten sie ihn schlagen. Er ist ein Mann des Friedens und kann sich nicht wehren; darum brach ich dieses Tischbein ab und habe ihn vertheidigt. Nun halten sie mich für einen Emissair. Ein braver Seemann aber wird einen Jeden vertheidigen, welcher von einer Uebermacht unschuldig angegriffen wird. Es sind noch viele Tischbeine hier!“

Ueber das Gesicht des Obersten zuckte ein leises, ganz leises Lächeln, welches aber sofort wieder verschwand. Er wandte sich zu den Soldaten:

”Bürger Tambour-major, Du marschirst sofort mit den Andern in den Arrest!“

Das Wort war kaum gesprochen, so salutirten sämmtliche ”Bürger Soldaten“ und marschirten zur Thür hinaus. Dann drehte sich der Oberst wieder zu den beiden Andern herum. Sein Wort galt zunächst dem Priester: ”Wer bist Du?“ ”Ich bin Bruder Martin vom Orden der Missionäre des heiligen Geistes,“ lautete in bescheidenem Tone die Antwort.

”Es sind alle Orden aufgehoben. Hast Du den Bürgereid geleistet?“

”Nein. Mein Eid gehört nur der heiligen Kirche.“

”Das wird sich finden!“ Und sich zu dem Seemann wendend, fuhr er fort: ”Surcouf? Ich muß diesen Namen bereits gehört haben! Ah, hast Du den Namen "the Runner" gehört?“

”Ja. Das war das englische Avisoschiff, welches ich durch die Klippen bringen sollte, aber mit Fleiß und Absicht auf die Bank laufen ließ.“

Der Oberst maß den jungen Mann mit einem kurz aufleuchtenden Blick.

”Ah, das wärst also Du? Wirklich? Weißt Du, Bürger Surcouf, daß Dein Leben an einem Haare hing!“

”Ich weiß es; aber sollte ich den Feind in den Hafen bringen? Ich sprang, sobald der Runner auflief, über Bord und kam glücklich an's Land, obgleich die Kugeln mir um den Kopf pfiffen. Die Engländer schießen schlecht, sehr schlecht, Bürger Colonel!“

”Wir werden in diesen Tagen sehen, ob Du Recht hast. Warum nimmst Du Dich eines Priesters an, der den Bürgereid nicht leisten will?“

”Weil dies meine Pflicht ist. Ich bin ein guter Katholik; ich habe mit ihm auf das Wohl des heiligen Vaters getrunken.“

”Ah, quelle inconsidération! Mußtest Du das thun? Brauchtest Du mir dies zu sagen, Bürger Surcouf? Ich sah, daß Du einige Soldaten beschädigt hast?“

”Ja, mit dem Tischbeine hier.“

”Gut. Der Fall soll untersucht und bestraft werden. Auch Ihr Beide seid arretirt. Man wird Euch nach Beausset bringen; doch sollst Du Deinen Freund Junot zu sehen bekommen. Adieu!“

Der kleine Offizier wandte sich scharf auf dem Absatze um und verließ die Stube. Eine Minute später ritt er mit seinen Begleitern davon; er befand sich jedenfalls auf einer Recognoscirung. Zu gleicher Zeit aber traten drei Militairs ein, welche den Beiden sagten, daß sie ihnen nach Beausset zu folgen hätten. ”Das werden wir thun,“ meinte Surcouf, indem er sein Tischbein bei Seite legte. ”Beausset war ohnedies mein Ziel.“ ”Aber das meinige nicht,“ antwortete Bruder Martin. ”Ich wollte hinauf nach Sisteron.“

”Dorthin kannst Du auch morgen gehen, mein frommer Bruder. Bis dahin magst Du in Beausset mein Gast sein; vorher aber wollen wir hier mit drei tapferen Bürgern noch ein Glas trinken. Ich finde diesen Roussillon sehr gut und muß ja auch mein Tischbein bezahlen.“

Der wackere Seemann schien sich in seine Gefangenschaft sehr leicht zu finden. Es war ihm nicht die mindeste Abnahme seiner guten Laune anzumerken, und als dann später aufgebrochen wurde, ertrug er den strömenden Regen mit derselben Geduld, mit der er ihn vorher ertragen hatte.

Beausset ist noch heut ein kleiner Ort von nicht viel über 3000 Einwohnern. Es gibt dort eine Wollenweberei, und in der Umgebung wird ein gutes Olivenöl und ein leidlicher Rothwein gebaut. Als die beiden Gefangenen dort anlangten, wurden sie nach dem Hause geführt, in welchem der Oberstkommandirende, General Cartaux, sein Quartier aufgeschlagen hatte, und dort in eine enge, dunkle Kammer eingesperrt, deren einziges Fenster durch den Laden dicht verschlossen war.

”So, hier liegen wir vor Anker,“ meinte Surcouf. ”Leider gibt es weder Hängematte noch Daunenbett. Wir müssen uns mit dem Bewußtsein fügen, daß man uns bald aus dieser Koje erlösen wird.“

”Ich wenigstens habe das nicht zu hoffen,“ seufzte Bruder Martin. ”Nicht? Warum?“ ”Weißt Du nicht, Bürger Surcouf, daß es jetzt in Frankreich kein größeres Verbrechen gibt, als dem Willen des Convents zu trotzen? Ich habe meinen priesterlichen Eid abgelegt und kann keinen anderen schwören. Ich sehe böse Tage für mich kommen, aber ich bleibe meinem Schwure treu.“

Da ergriff Surcouf die Hände des Gefährten, und seine Stimme klang ganz anders als bisher, indem er nun in bewegtem Tone sagte:

”Das vergelte Dir Gott, Bruder Martin! Viele, Viele sind abgefallen; aber noch Mehrere sind freiwillig in die Verbannung gegangen oder bleiben muthig im Lande, um mit der Hyder des Unglaubens und der Vergewaltigung zu kämpfen. Ich bin nicht der sorglose Mann, der ich scheine. Ich sehe eine Zeit kommen, in welcher man auch das Allerheiligste verleugnen wird, nachdem man vorher das Heilige beschimpfte, eine Zeit, in welcher es starker Geister und gewaltiger Arme bedarf, um das Vaterland vor der Herrschaft des Schreckens zu befreien und unserm Volke die ihm von Gott angewiesene Stellung unter den Nationen zu erhalten. Es wird große Kämpfe geben; es werden Ströme Blutes fließen; es wird ein gigantisches Ringen des Einen gegen Alle sein. Das Weizenkorn, welches unter dem Unkraute der Revolution verborgen liegt, wird aufgehen, doch werden dunkle Wolken es beschatten, und Stürme es knicken wollen. Da gilt es, wach und munter zu sein; da gilt es, sich bei Zeiten im Kampfe zu üben und zu stählen, damit ein Jeder an seinem Platze sei, wenn die Kräfte gemessen werden. Ich bin ein Sohn des Vaterlandes[,] und auch ich habe die Pflicht, treu und stark zu ihm zu halten in aller Noth und Gefahr. Darum habe ich mich ihm zum Dienste angeboten, aber man hat mich abgewiesen, weil ich offen bekenne. daß ich nicht zu denen gehöre, welche den Stuhl Petri stürzen und Christum abermals an das Kreuz schlagen möchten. Wegen einer offenen Rede habe ich aus Paris flüchten müssen; ich ging an andere Orte und wurde wieder abgewiesen; nun komme ich nach Toulon, um den letzten Versuch zu machen. Ich werde mit den Generalen Cartaux und Doppet sprechen; ich werde auch mit diesem Colonel Bonaparte reden; er hat das Gesicht eines Mannes, welcher wachsen wird; vielleicht erreiche ich hier am letzten Orte, was mir anderwärts versagt worden ist.“

Der Priester hielt seinen Blick erstaunt auf den Sprecher gerichtet. Dieser junge Mann war auf einmal ein ganz Anderer geworden; der fröhliche, sorglose, unbekümmerte Jüngling stand plötzlich da als ein Mann, dessen Auge prophetisch in die Ferne blickte, dessen Rede begeistert von den Lippen floß, und dessen Aufgabe auf ein großes Ziel gerichtet war.

”Mein Sohn“, sagte Bruder Martin, ”ich höre aus Deinem Munde Worte eines Mannes, dessen Weg zur Höhe führen muß. Was auch die Zukunft Dir beschieden haben mag, sei stets der ewigen Wahrheit eingedenk, daß der Mensch nichts Gutes thut als nur in Gott, und daß er einen Richter hat für jeden Gedanken, jedes Wort und jede That, die er vollbringt. Dein Fuß wird nicht gewöhnliche Pfade wandeln; laß Dich bei jedem Schritte von dem Lichte leiten, welches kein Convent und keine Revolution verlöschen kann.“

Nach diesen Worten herrschte längeres Schweigen. Die beiden Gefangenen hätten sich Vieles zu sagen gehabt, aber der Augenblick war zu weihevoll, als daß ein profanes Wort ihn hätte stören dürfen.

Nach längerer Zeit wurde die Thüre geöffnet. Man rief Surcouf, um ihn zum commandirenden General zu führen. Es dauerte lange, ehe er zurückkehrte, und dann wurde Pater Martin abgeführt. Dieser kam sehr bald zurück. Er hatte sich erklären sollen, ob er bereit sei, den Bürgereid zu leisten, und als er sich entschieden weigerte, war ihm eröffnet worden, daß man ihn als Verräther behandeln müsse und ihm also seine Freiheit nicht zurückgeben könne. Surcouf frug ihn, was er dagegen zu thun entschlossen sei.

”Was soll ich thun?“ frug er. ”Ich bin ein Mann des Wortes, aber nicht ein Mann des Schwertes. Es wird mir gehen wie so vielen Andern; man wird mich nach Paris bringen und dort werde ich verschwinden.“

”Ah, Du würdest nicht in Paris, sondern bereits schon unterwegs verschwinden; aber dies soll nicht geschehen, so wahr ich Robert Surcouf heiße!“ ”Wie wolltest Du mir helfen? Du bist ja selbst Gefangener!“ ”Aber ich werde es nicht immer sein. Der General wollte sich nur vergewissern, ob ich ein Emissair sei oder nicht. Sobald er einsah, daß ich ein ehrlicher Seemann bin, handelt es sich nur noch um die kleinen Hiebe, welche diese guten Bürger Soldaten von mir erhalten haben, und darüber soll Colonel Bonaparte urtheilen, wurde mir gesagt. Ich werde also baldigst auf freiem Fuße sein.“

”Welcher Mensch kann mit Sicherheit auch nur von dem nächsten Tage sprechen! Ich wollte nach Sisteron, um von da vielleicht über Gap oder Embrun und Briançon aus Frankreich zu kommen; nun aber bin ich gar gefangen!“

”Ueber Gap und Embrun? Oh malheur! Einen solchen Fluchtweg kann nur eine Seele einschlagen, die mehr im Himmel als auf der Erden wandelt! In diesen beiden Festungen muß ein Jeder hängen bleiben, der nach dieser Richtung hin entkommen will, und übrigens wimmelt die ganze Strecke von Toulon bis an die italienische Grenze von Conventstruppen, welche schwer zu täuschen sind. Dazu begreife ich nicht, wie man in einem Weinhause einkehren kann, wenn man den Häschern entgehen will!“

”Der Wirth dieses Hauses ist mein Verwandter; er hielt mich lange Zeit versteckt, und eben wollte ich Abschied nehmen, als das Wetter die Soldaten herbeitrieb.“

”Das hätte nichts zu sagen gehabt; aber dieses geistliche Gewand ist zum Verräther geworden. Ueberhaupt gibt es von hier aus auf dem Landwege kein Entkommen; nur auf der See ist die gesuchte Freiheit zu finden.“

”Aber wie gelangt man ohne Freunde, ohne Mittel und ohne Kenntniß der Gelegenheiten auf ein sicheres Schiff?“ ”Durch mich, durch Robert Surcouf. Verstanden?“ Er konnte nicht weiter sprechen, denn die Thür wurde abermals geöffnet, und es trat ein Grenadier herein, in welchem Surcouf seinen Freund Junot erkannte. Dieser war jetzt noch gewöhnlicher Soldat, aber man weiß, daß er nur drei Tage später Sergent wurde. Bei der Beschießung von Toulon vom 15. bis 17. Dezember 1793 dictierte ihm Napoleon einen Befehl; da schlug eine Kanonenkugel neben ihnen in den Boden und bespritzte das Blatt mit Erde. ”Prächtig,“ rief Junot, ”so brauchen wir keinen Streusand!“ Durch dieses Wort wurde Bonaparte auf ihn aufmerksam und ließ ihn von da nicht wieder aus den Augen, so daß Junot schon 1804 Divisionsgeneral und Commandant von Paris wurde.

Dieser Grenadier, welcher jetzt wohl nicht ahnte, daß er einst eine Herzogskrone tragen werde, hatte große Freude, seinen Freund Surcouf wiederzusehen. Er erfuhr, daß dieser sich um eine Anstellung in der Marine bewerbe und daß er nun auch von General Cartaux abfällig beschieden worden sei. Junot konnte für den Freund nichts thun, als ihm seine gegenwärtige Haft erleichtern; er sorgte für Speise, Trank und Licht und mußte die Beiden dann ihrem Schicksale überlassen.

Erst am Nachmittag des nächsten Tages kam eine Ordonnanz, welche den Seemann zu Bonaparte bringen sollte. Dieser befand sich nicht in Beausset, sondern außerhalb des Ortes in einer Schanze, von welcher aus die Befestigungen von Toulon beschossen wurden. Diese Stadt hatte sich der unter Admiral Hood stehenden Flotte der vereinigten Engländer und Spanier übergeben, und der Convent machte die riesigsten Anstrengungen, diesen hochwichtigen Platz zurückzuerobern. Leider erwiesen sich die Generale Cartaux und Doppet als unfähig; der Eine war ein Maler und der Andere ein Arzt gewesen; sie waren im Atelier und Lazareth an ihrem Platze, nicht aber vor den gewaltigen Außenwerken eines so großartigen Waffenplatzes, und darum hatte man den jungen Napoleon Bonaparte gesandt, um den beiden Generalen beizustehen.

Der kleine Corse hielt soeben neben den beiden Obergeneralen, als Surcouf zu ihm geführt wurde. Er beachtete den Gefangenen gar nicht und schien nur in das Gespräch vertieft, welches er mit seinen zwei Vorgesetzten führte.

”Und ich kann dennoch nicht von meiner Ueberzeugung abgehen,“ sagte er. ”Wenn wir so fortfahren, werden wir nach einem Lustrum immer noch unverrichteter Sache vor Toulon liegen. Was sind unsere Geschütze gegen die Feuerschlünde der Festung und der Flotte! Wir müssen so schnell wie möglich weiteres Belagerungsgeschütz aus Marseille und den andern Waffenplätzen kommen lassen. Wir dürfen nicht nur die Befestigungen der Stadt beschießen, sondern wir müssen vor allen Dingen die feindlichen Schiffe mit glühenden Kugeln bewerfen. Haben wir die Flotte vernichtet und vertrieben, so kann sich die Stadt unmöglich lange mehr halten. Geben Sie mir Vollmacht, so verspreche ich, daß Toulon sich in vierzehn Tagen in unseren Händen befindet.“

”Nur nicht sanguinisch!“ erwiderte Cartaux in hochfahrendem Tone. ”Selbst wenn die Flotte weichen muß, wo haben wir die Mittel, Befestigungen wie Fort Malbosquet, Balagnier und Eguilette zu bezwingen?“

”Man schaffe nur zunächst Geschütz und Munition herbei, verstärke die Belagerungsarmee bis auf vierzigtausend Mann und versehe diese Verstärkungen mit den nothwendigen Requisiten. Ich habe das Terrain noch nicht genau studiren können, aber es muß ein Punkt zu finden sein, welcher die feindlichen Werke dominirt, und von diesem aus werden wir den Gegner zu bezwingen wissen.“

Surcouf hatte diese Worte gehört; er trat mit zwei raschen Schritten an die drei Offiziere heran und sagte: ”Pardon, Bürger! Dieser Punkt ist bereits gefunden.“ Cartaux machte eine strenge, zurückweisende Geberde; auch Doppet drehte sich stolz zur Seite. Napoleon aber überflog den Sprecher mit einem Blitze seines Auges und meinte:

”Du bist sehr kühn, Bürger Surcouf! Wenn Offiziere sprechen, hat ein jeder Andere zu schweigen, besonders wenn er gar ein Gefangener ist. Welchen Punkt meinst Du?“

”Bürger Colonel, siehe dort den Platz zwischen beiden Häfen der Stadt. Wenn Du ihn besetzest, so kannst Du die feindliche Flotte in ihrer ganzen Ausdehnung bestreichen. Die Stadt muß sich in zwei oder drei Tagen ergeben, sobald Du ihre Werke von dort aus mit Vierundzwanzigpfündern und Mörsern demolirst. Das Auge wird Dich lehren, daß von diesem Punkte aus Fort Malbosquet sehr leicht zu bombardiren ist.“

Bonaparte setzte das Fernrohr an und musterte die betreffende Gegend. Als er es wieder absetzte, bewegte sich kein Zug seines ehernen Gesichtes. Er blickte lange auf den Horizont hinaus; dann aber wandte er sich plötzlich zu den beiden Generalen:

”Dieser Mann hat Recht, vollkommen Recht. Ich ersuche die Bürger Generale, seinen Rath, welchen ich mit meiner Ueberzeugung unterstütze, in schnelle Erwägung zu ziehen!“ ”Den Rath eines Arrestanten!“ rief Cartaux. ”Schäme Dich, Bürger Colonel!“

Auch auf diese beleidigende Antwort zuckte keine Wimper in Napoleon's Gesicht, aber seine Stimme klang scharf und schneidig, als er entgegnete: ”Allerdings schäme ich mich, messieurs, aber nicht über den Rath, welcher uns ertheilt wurde, sondern darüber, daß bis jetzt noch nicht gefunden worden ist, was dieser Bürger auf den ersten Blick bemerkte. Ich bin gewohnt, jeden nützlichen Rath anzunehmen, er komme, von wem es auch sei, und bitte, den betreffenden Punkt schleunigst besetzen und befestigen zu lassen. Wenn uns die Engländer zuvorkommen, so muß es uns außerordentliche Opfer kosten, die Unterlassung wieder auszugleichen.“ ”Colonel!“ brauste Cartaux auf. Er wollte mehr sagen, Doppet aber ergriff ihn beim Arme und zog ihn fort.

Bonaparte blickte ihnen mit finsterer Miene nach.

”Man wird dennoch thun müssen, was ich will,“ murmelte er, und zu Surcouf gewendet, fuhr er fort: ”Dein Plan ist gut, Bürger; ich danke Dir! Wo hast Du diesen Scharfblick her, Du, ein Matrose?“

”Matrose?“ lachte der Gefragte. ”Ein Schüler der See-Akademie und des Bureau des longitudes? Der Seemann hat ebenso seine Strategie und Taktik, wie der Offizier des Festlandes. Bürger Colonel, ich freue mich, mit Dir sprechen zu können. Ich bin Dein Gefangener; Du wirst mich vielleicht bestrafen, weil ich einigen unnützen Burschen den Schädel geklopft habe; ich werde diese Strafe auf mich nehmen; aber wenn ich sie verbüßt habe, so werde ich Dich abermals aufsuchen, dann habe ich Dir eine Bitte vorzutragen.“ ”Sprich sie aus!“ ”Heute nicht. Erst muß ich die Strafe hinter mir wissen.“ Bonaparte runzelte leicht die Stirn. ”Du sprichst sehr kategorisch! In Deinem Alter ist man gern bescheiden, weil man da erst im Begriffe steht, das Leben zu beginnen.“

”Bürger,“ lächelte der Getadelte, ”Du beginnst es also vom Colonel an, denn wir werden wohl die gleichen Jahre zählen.“ Napoleon beachtete diesen Einwurf nicht und fuhr fort: ”Du hast allerdings Strafe verdient, denn Du hast Dich an den Soldaten des Convents vergriffen; aber um des Rathes willen, welchen Du uns gegeben hast, soll Dir verziehen sein. Jetzt nun wirst Du wohl Zeit finden, Deine Bitte auszusprechen, Bürger Surcouf?“

”Ich danke Dir, Bürger Colonel! Meine Bitte ist sehr kurz; sie lautet: gib mir ein Schiff!“ Der kleine Corse blickte erstaunt den Seemann an. ”Ein Schiff?“ rief er verwundert. ”Was willst Du mit dem Schiffe, und woher soll ich es nehmen?“ ”Hier lies zunächst diese Papiere!“ Er zog sein Portefeuille hervor, nahm eine Anzahl groß gesiegelter Zeugnisse hervor und gab sie Napoleon. Dieser las eines nach dem andern und gab sie ihm dann mit einer sehr nachdenklichen Miene zurück.

”Ausgezeichnet!“ nickte er. ”Bürger Surcouf, es wird wenig Männer Deines Alters geben, welche sich des Besitzes solcher Papiere rühmen können. Du bist klug und kühn; der Convent wird wohlthun, Dich im Auge zu behalten.“ ”Pah, der Convent will mich gar nicht haben!“ ”Warst Du in Paris?“ ”Ich war dort; ich war in Le Havre; ich war in Brest, in Nantes, in La Rochelle, in Bordeaux, Marseille und Lyon; ich war bei allen Marinebehörden bis hinauf zum Minister und habe nur das Eine gehört, daß ich unfähig bin.“

”So sind Deine Zeugnisse eine Lüge.“

”Sie enthalten die Wahrheit; aber die Männer, bei denen ich war, segeln im Nebel, ohne die Augen zu öffnen. Ich habe Alles gethan, um sie sehend zu machen; ich habe ihnen meine Ansichten entwickelt; ich habe ihnen den Vorhang der Zukunft gelüftet – sie wollten blind bleiben.“ Jetzt lächelte Bonaparte, aber wie ein Riese, welcher einen Zwerg von Heldenthaten sprechen hört. ”Welches sind die Ansichten, die Du ihnen entwickelt hast?“ fragte er. ”Es sind die Ansichten eines einfachen Mannes, der sich durch kein Blendwerk täuschen läßt. Die republikanische Form unserer Regierung steht im Gegensatze zu den Regierungsformen der uns umgebenden Länder; unsere Interessen sind den ihrigen feindlich entgegengesetzt, und der Ausgleich kann nicht auf dem Wege des Friedens geschehen. Ferner gibt es im Innern der Republik selbst tausend noch ungezügelte Kräfte und Mächte, welche eine gewaltige Expansionskraft besitzen; eine einzige dieser Kräfte ist im Stande, den noch unfertigen Bau augenblicklich zu zertrümmern. Die Religion ist das Herz der Nation; die Republik will sich dieses Herz herausreißen; sie wird zum Selbstmörder werden; sie wird sterben; aber ihr Tod wird kein sanfter, sondern ein fürchterlicher sein. Damit habe ich bewiesen, daß Frankreich vor großen Kämpfen steht, vor Kämpfen nach außen und vor Kämpfen nach innen. Hierzu bedarf es einer Land- und Seemacht, welche nicht nur sich in gutem Vertheidigungszustande befindet, sondern nöthigenfalls auch zum Angriffe schreiten kann. Wir haben ein tapferes Heer und gute Generale, aber was wir nicht haben, das ist eine genügende Flotte. Seeleute hat Frankreich genug, aber es mangelt an Kriegsschiffen und an Seeoffizieren, welche die Fähigkeit besitzen, die kriegerischen Traditionen unserer Feinde zu Schanden zu machen –“

”Und ein solcher Offizier bist Du?“ unterbrach ihn Napoleon.

”Ja,“ antwortete der Gefragte mit offener Miene. ”Man gebe mir ein Schiff, und ich werde es beweisen!“

”Du sprichst sehr stolz, Bürger Surcouf, und läufst Gefahr, daß man Dein Selbstbewußtsein für Prahlerei nimmt. Wer einen Kahn zu steuern vermag, ist doch noch nicht ein geborenes Genie zur See!“

Es lag etwas wie Geringschätzung in dem Tone, in welchem diese Worte gesprochen wurden; Surcouf fühlte das, und seine Stimme klang schärfer denn vorher, als er entgegnete:

”Bürger Colonel, Du sprichst in dieser Weise zu mir, weil Du siehst, daß ich noch nicht das Alter besitze, um Mitglied des Rathes der Alten zu sein. Das ist ein schlechter Mann, welcher mehr von sich hält, als er ist; aber ein noch viel schlechterer Mann ist derjenige, welcher nicht weiß, was er zu leisten vermag. Wenn ein Maler oder Arzt General werden kann, so ist es auch nicht unwahrscheinlich, daß ein Seemann ein Schiff zu führen vermag. Wir stehen in einer Zeit, welche Altes zerschmettert, um Neues zu schaffen. Die Kämpfe, denen wir entgegen gehen, erfordern jugendliche Kräfte. Warum soll ich abgewiesen werden?“

”Weil Du Dir erst verdienen mußt, was Du begehrst. Was hast Du für den Staat geleistet? Du magst ein guter Seemann sein; Du magst dies im privaten Leben auch bewiesen haben; der Marinebehörde aber bist Du unbekannt und darfst nicht erwarten, daß man Dir ein Schiff anvertraut, ohne Dich vorher kennen gelernt zu haben.“

”Aber man will mich nicht kennen lernen; man will keinen Offizier, der den Glauben hat, daß sein Schiff ebenso von Gottes Hand wie von den Winden geleitet wird.“ ”So ändere Deinen Glauben!“ Surcouf trat einen Schritt zurück und rief: ”Bürger Bonaparte, Du scherzest! Ich bin ein Katholik und bleibe es. Ich bin ein Franzose und bleibe es, trotzdem mir von England Anerbietungen gemacht worden sind, welche mir die Erfüllung meiner sehnlichsten Wünsche verheißen. Ich werde stets nur für mein Vaterland, niemals aber gegen dasselbe kämpfen, und gibt man mir kein Schiff, so nehme ich es mir!“

Napoleon machte eine abweisende Geberde. ”Das träumst Du nur!“ meinte er scharf. ”Robert Surcouf träumt nie, Bürger Colonel! Du bist der Letzte, auf den ich meine Hoffnung setzte. Gib mir wenigstens ein kleines Fahrzeug, aus welchem ich einen Brander herstellen kann, und Du sollst sehen, daß ich das feindliche Flaggenschiff in die Luft sprenge!“

”Hier, im Hafen von Toulon?“ ”Ja.“ ”Ah, nun bin ich wirklich überzeugt, daß Du träumst! Bürger Surcouf, gehe; Deine Dienste werden nicht gebraucht!“ ”Ist dies Dein letztes Wort?“ ”Mein letztes!“ ”So habe ich meine Schuldigkeit gethan und kann nun nach Belieben handeln. Es wird eine Zeit kommen, in welcher Frankreich's Ruhm zur See zusammenbricht, in welcher man vergebens ausschaut nach einem Manne, der unsere Flagge siegreich steigen lassen könnte; aber dieser Mann wird fehlen. Dann, ja dann wird man sich des Bürgers Surcouf erinnern; man wird ihn rufen, doch er wird diesem Rufe nicht Folge leisten.“

”Ah, Dein Traum wird zum Fieber! Man wird Dich niemals rufen, denn Du wirst niemals zu verwenden sein. Und wäre ich selbst es, der hier zu entscheiden hätte, so würde ich der Letzte sein, der Deinen Namen nennt. Frankreich braucht Männer und besonnene Köpfe, aber nicht Knaben und Phantasten. Heut hast Du gesprochen, und bereits morgen wirst Du vergessen sein!“

Da trat Surcouf hart an den Offizier heran und legte ihm die Hand schwer auf die Schulter.

”Bürger Bonaparte, ich will Dir nicht Gleiches mit Gleichem vergelten; ich sage Dir offen, daß ich Dich für einen Mann halte, der seinen Weg machen wird; auf diesem Wege aber wird Dir einst Robert Surcouf begegnen, und dann wirst Du bedauern, daß Du ihn so schnell vergessen hast. Wir sind geschieden für ewige Zeiten; vorher aber sage mir noch Eins: Was wirst Du mit Pater Martin, meinem Gefährten, thun?“

”Darnach hast Du nichts zu fragen. Er hat sich gegen die Verordnungen des Convents gesträubt und wird seine Strafe leiden.“

”Er hat Gott mehr gehorcht als den Menschen, und darum wird ihn Gott beschützen. Versucht es immerhin, den Ewigen abzusetzen: es wird Euch schwer werden, gegen den Stachel zu lecken!“ –

Eine kühne That.


Am Abend desselben Tages saß Pater Martin allein in seiner Kammer. Es war ihm gesagt worden, daß sein Gefährte frei sei und nicht wieder zurückkommen werde. Draußen vor dem Orte donnerten die ehernen Stimmen der Geschütze trotz der herrschenden Dunkelheit, und in dem Hofe erklang der regelmäßige Schritt der Schildwache, welche vor dem Fenster des Gefängnisses Wache zu halten hatte.

In den Gassen von Beausset und besonders vor dem Hauptquartiere standen Gruppen von Soldaten, welche sich über die nächtliche Kanonade unterhielten. Es war dies ein Zeichen, daß mit dem Obersten Bonaparte ein neuer Geist in die Belagerungsarmee getreten sei, und man gab sich der Hoffnung hin, daß man einen baldigen Erfolg bemerken werde.

Da kam sporenklirrend ein Offizier die Gasse herab und trat in das Haus. Er schritt direkt durch den Flur hinaus nach dem Hofe und blieb vor dem Posten halten. ”Bürger Soldat, wie heißest Du?“ fragte er kurz und barsch. ”Etienne Girard,“ antwortete der Gefragte salutirend. ”Nun wohl, Bürger Girard, öffne mir die Thür, welche zu dem Gefangenen führt!“

Der Soldat gehorchte ohne Widerrede. Der Offizier blieb vor dem Eingange stehen und befahl dem Priester:

”Bürger Martin, folge mir! Du sollst die Ehre haben, vor dem General zu erscheinen, welcher Dich draußen in der Schanze sprechen will.“

Der Gefangene erhob sich und verließ still und gehorsam die Kammer. Der Offizier schob dem Soldaten ein versiegeltes Papier in die Hand und gebot ihm:

”Hier die Bescheinigung, daß Du mir den Gefangenen übergeben hast, Bürger Girard. Du wirst sie dem Bürger Colonel Bonaparte einhändigen, sobald er zurückgekehrt ist; für jetzt aber bist Du abgelöst.“

Er entfernte sich mit dem Priester und schritt mit ihm an den Militärgruppen vorüber, zur Stadt hinaus. Draußen aber änderte er die Richtung und schwenkte links ab in das Feld hinein; an einer einsam gelegenen Stelle angekommen, blieb er halten. ”Bürger Martin, Du stehst vor Deinem Richter,“ sprach er mit derselben strengen Stimme, mit der er vorher gesprochen hatte.

Der Priester blickte auf. ”Du?“ frug er. ”Du wolltest mein Richter sein?“ ”Ja. Aber ich bin Dir ein gerechter Richter; ich spreche Dich frei.“ Und in völlig verändertem Tone setzte er lachend hinzu: ”Vraiment, sogar dieser gute Pater Martin hat mich nicht erkannt!“ Bei dieser Stimme fuhr der Priester überrascht empor. ”Surcouf, Robert Surcouf, ist es möglich!“ rief er.

”Pst, leise!“ warnte der Andere. ”Da drüben gibt es Leute, welche sich sehr für uns interessiren.“

”Aber wie kommst Du zu mir? In dieser Uniform? Weißt Du, daß Dein Spiel ein sehr gewagtes ist?“

”Gewagt? Ah pah! Diese Herren Maler, Aerzte, welche es sich beikommen lassen, den General zu spielen, sind mir nicht gefährlich; aber vor diesem kleinen Colonel Bonaparte muß man sich ein wenig in Acht nehmen. Du fragst, wie ich zu Dir komme. Glaubst Du etwa, daß Robert Surcouf der Mann ist, einen guten Bekannten sitzen zu lassen? Und diese Uniform? Haha, sieh' sie Dir einmal genauer an! Es ist der Rock eines Douanier, eines Zollwächters, der ihn ausgezogen hat, weil er ihn auf dem Schaffote nicht mehr brauchte. Ich habe auch gute Freunde und Bekannte, auf welche ich mich verlassen kann. Ich werde ein wenig hinein nach Toulon gehen, um zu sehen, was zu machen ist.“

”Thu dies ja nicht. Du wagst Dein Leben!“

”Sorge Dich nicht um mich. Ich weiß ganz genau, was ich wage. Jetzt handelt es sich ganz allein um Dich. Du bist frei. Wohin gedenkst Du Dich zu wenden?“

”Ehe ich Dich traf, hatte ich die Absicht, die italienische Grenze zu erreichen. Drüben wird man für mich sorgen.“

”Du sollst sicher hinüber kommen, mein guter Pater Martin. Ich habe da einige wackere Leute, welchen Du nach Frejus folgen wirst; sie werden Dich auf einem Fahrzeuge hinüber bringen.“

Er stieß einen leisen Pfiff aus, worauf zwei Gestalten aus dem Dunkel der Nacht auftauchten. ”Hier ist der würdige Pater Martin, Ihr Leute. Ich übergebe ihn Euch, weil ich weiß, daß er in Euern Händen ebenso sicher ist, wie in den meinigen. Und nun gebt mir meinen Rock und nehmt diesen dafür zurück. Und jetzt, frommer Vater, wollen wir Abschied nehmen. Wir werden Beide dieses Land verlassen, aber unsere Wege werden wohl nie wieder zusammentreffen. Beten Sie für mich, denn das Gebet des Gerechten vermag viel, wenn es ernstlich ist, und ich werde es ja brauchen können!“

”Gott segne Dich, mein Sohn! Ich – – –“ Er sprach nicht weiter, denn Surcouf war bereits im Dunkel der Nacht verschwunden, hatte ihm aber vorher Etwas in die Hand gedrückt. Der Priester fühlte, daß es Geld war; er mußte den beiden Schiffern folgen, ohne es zurückweisen zu können.

Eine halbe Stunde später kehrte Bonaparte von der Schanze in das Quartier zurück, und Etienne Girard beeilte sich, ihm das Schreiben zu überreichen. Es enthielt allerdings eine Empfangsbescheinigung; es lautete:

”An den Bürger Colonel Bonaparte.

Ich bestätige hiermit den richtigen Empfang eines Mitgefangenen, des frommen Pater Martin. Ich habe ihm die Freiheit gegeben, um ihn ungerechten Richtern zu entziehen und dem Bürger Bonaparte zu zeigen, daß der Bürger Surcouf nicht bloß zu träumen, sondern auch zu handeln vermag. Er hat versprochen, sich ein Schiff zu holen, weil man ihm keines gibt, und er wird sein Wort halten.

Robert Surcouf.“

Bonaparte ließ sich von dem Soldaten das Geschehene berichten und starrte dann lange auf die Zeilen nieder. Sollte er den überlisteten Posten bestrafen? Nein. Er winkte schweigend, und der Mann trat ab. Der Colonel traf nicht einmal Anstalten, den Entflohenen zu verfolgen. Es wurde über die ganze Angelegenheit kein Wort gesprochen.

Napoleon hatte übrigens Anderes zu thun, als sich um die Wiederhabhaftwerdung eines Flüchtlings zu bekümmern, dessen Besitz ihm nicht den mindesten Vortheil brachte. Die beiden Generäle Cartaux und Doppet gaben nämlich die Besetzung des Punktes, auf welchen sie durch Surcouf aufmerksam gemacht worden waren, nicht zu; desto klüger aber waren die Engländer, welche plötzlich die Wichtigkeit des Ortes erkannten, 4000 Mann hinlegten und ihn mit furchtbaren Verschanzungen versahen. Diese Befestigungen waren so stark, daß sie den Platz Kleingibraltar nannten.

Voll Aerger über diesen Fehler fertigte Bonaparte einen Bericht an den Convent ab, in Folge dessen der Oberbefehl im November dem tapfern und einsichtsvollen Dugommier übertragen wurde. Dieser erkannte[,] welchen Mann er in dem kleinen Corsen besaß, und gab seinen Vorschlägen offenes Gehör. Es wurden ganz in der Stille die nöthigen Vorkehrungen getroffen, welche volle drei Wochen in Anspruch nahmen; dann begann ein dreitägiges, entsetzliches Bombardement auf Kleingibraltar, welches dann im Sturme gewonnen wurde.

Unter den Bewohnern der Stadt herrschte natürlich eine große Aufregung. Viele Tausende hatten sich an dem Aufstande gegen den Convent betheiligt und die Engländer willkommen geheißen, als die Flotte derselben kam, um Toulon im Namen Ludwig's des Siebzehnten in Besitz zu nehmen. Sie Alle waren verloren, wenn die Vertheidigung nicht gelang. O'Hara, der Stadtkommandant, machte die riesigsten Anstrengungen, um die Belagerung abzuweisen; aber als Kleingibraltar verloren war, erkannte er, daß nun alle Mühe vergebens sei. Auch der Befehlshaber der englischen Flotte, Admiral Lord Hood, erklärte, daß Toulon nun nicht mehr zu halten sei, und verließ den Hafen. Er kreuzte draußen auf der Rhede und nahm die Truppen nebst denjenigen Einwohnern auf, welche sich compromittirt hatten. Wohl an die vierzehntausend Menschen verließen auf diese Weise die Stadt, um sich der Rache des Convents zu entziehen, von dem man wußte, daß er nicht zur Milde geneigt sein werde.

In einem engen Gäßchen, unweit des innern Hafens gelegen, gab es eine Taverne, welche nur von Matrosen besseren Schlages besucht wurde. Oncle Carditon, wie der Wirth genannt wurde, war ein anständiger Mann, welcher alles Gesindel von seinem Hause fern zu halten wußte. Dabei war er ein guter Christ und ein eifriger Patriot, welcher die Revolution haßte.

Es war einen Tag vor dem Sturme auf Kleingibraltar, als ein fremder Mann in die Taverne trat. Er trug die Kleidung eines englischen Marinematrosen und zeigte auch die ganze Ungenirtheit dieser Leute, denn er legte, nachdem er sich gesetzt hatte, die schmutzigen Füße auf den mit einem weißen Linnen gedeckten Tisch und stieß, mit der Faust aufschlagend, einen lauten Fluch aus, um den Wirth herbeizurufen.

Dieser trat heran und erkundigte sich in aller Höflichkeit nach dem Begehr des Gastes. ”Wein!“ sagte dieser. ”Haben Sie ein Gefäß bei sich?“ ”Ein Gefäß? Was! Gibt es für die Gäste hier keine Gläser, he?“ ”Für die Gäste, ja. Aber beim Verkaufe über die Straße hat ein Jeder sein Gefäß mitzubringen.“

”Wer sagt Euch denn, daß ich den Wein mit fortnehmen will? Ich bin Gast und werde ihn hier trinken.“

”Wenn Ihr von meinem Weine trinken wollt, so müßt Ihr ihn allerdings mit fortnehmen, denn hier trinken könnt Ihr ihn nicht. Wer mein Gast sein will, der hat sich so zu betragen, daß ich mich seiner nicht zu schämen brauche.“

”Ah! Und meiner müßt Ihr Euch wohl schämen?“

”Allerdings. In meinem Hause thut man die Beine hübsch unter den Tisch.“ ”Und wenn mir dies nicht gefällt?“ ”So könnt Ihr gehen, oder ich führe Euch hinaus.“ ”Was gilt die Wette: ich lasse die Beine, wo sie sind, und bin Euch doch willkommen!“

”Daran denkt kein Mensch! Ich ersuche Euch, schleunigst abzusegeln!“ ”Auch wenn man mich hierher bestellt hat?“ ”Wer?“ ”Robert Surcouf.“ ”Surcouf? Der? Einen Engländer? Ah, das ist etwas Anderes. Erlaubt, daß ich Euch ein Glas bringe!“

”Nun, wer hat Recht?“ lachte der Fremde. ”Jetzt aber sehe ich, daß ich an die richtige Adresse gekommen bin, und werde manierlicher sein. Habt keine Sorge, Oncle Carditon, ich bin kein Engländer, sondern ein Kind unserer guten Bretagne; ich war nur gezwungen, mich in dieser Verkleidung durch die Feinde hindurchzuschmuggeln. Ist Surcouf daheim?“

”Er ist da. Welchen Namen soll ich ihm nennen?“ ”Bert Ervillard!“ ”Ervillard!“ rief der Wirth erfreut. ”Wirklich? O, warum sagtest Du das nicht gleich!“

”Weil ich zum Spasse sehen wollte, ob Du wirklich ein so großer Brummbär bist, wie man sagt, Oncle Carditon.“ ”Es ist nicht so schlimm; aber ich kann nun einmal die Engländer nicht leiden. Wo hat Dich unser Bote getroffen?“ ”In Tropez. Surcouf wußte genau, daß ich dort zu finden war. Hat er etwas gefunden?“

”Ich weiß es nicht. Er ist sehr verschwiegen, was ich nicht tadeln kann.“

”Wie ich ihn kenne, ist er bereits im Klaren. Ich bin erst vor zwei Stunden angekommen und weiß dennoch bereits, was ich thun würde. Da sah ich zum Beispiel eine Brigantine, scharf auf den Kiel gebaut, schmuck wie eine Taube und glatt wie ein Falke; sie hatte zwanzig Stückpforten und schien ganz vor Kurzem vom Stapel gekommen zu sein. Das wäre eine Prise, he!“

Der Wirth lächelte geheimnißvoll schelmisch. ”Du meinst "the hen", welche da drüben vor Anker liegt? Ja, ein feines Schiff! "La poule" würde besser klingen als "the hen", das ist wahr. Na, wer weiß, was sich ereignen kann! Surcouf sagte, daß ihm nichts zu schwer sei, wenn Du ihm helfen würdest. Ich glaube, daß er Dir den Posten des Ersten Offiziers zugedacht hat. Komm; ich will Dich zu ihm führen!“

Dieses Gespräch war laut geführt worden, da kein Gast zugegen war. Der Wirth führte Ervillard eine Treppe empor, und als er zurückkehrte, bekam er weitere Arbeit, da ein Trupp Hafenarbeiter Zutritt genommen hatte und seine Dienste in Anspruch nahm. Kurze Zeit später trat ein Mann herein, welcher in stolzer Haltung die vordere Stube durchschritt und in dem hinteren Zimmer verschwand, welches den Aufenthalt der Kapitäns und Steuerleute bildete. Er besaß eine hohe, plumpe, ungeschlachte Gestalt, und sein aufgedunsenes Gesicht hatte jene spirituose Färbung, welche man vorzugsweise an Schnapstrinkern zu beobachten pflegt.

In dem Angesichte des Wirthes zuckte es eigenthümlich, als er, ohne erst auf die Bestellung zu warten, dem neuen Gaste ein großes Glas voll Cognac nachtrug. Er grüßte ehrerbietig, aber ein aufmerksamer Beobachter hätte vielleicht doch einen verstohlenen Blick belauscht, der auf eine ganz andere Gesinnung schließen ließ.

”Nun?“ frug der Gast kurz, nachdem er den Inhalt seines Glases auf einmal hinabgegossen hatte.

”Ich habe nachgesehen, Kapitän, und – – –“

”Still!“ gebot ihm der Andere. ”Laß Deinen Kapitän bei Seite! Es braucht Niemand zu hören, wer ich bin. Also Du hast nachgesehen?“ ”Ja.“ ”Und – –?“ ”Es wird gehen.“ ”Das denke ich auch.“ ”Nur müssen Sie sich mit genug Arbeitskräften versehen. Die Mauer ist sehr schwer zu durchbrechen, und lange Zeit darf der Vorgang doch nicht in Anspruch nehmen.“

”Das ist richtig. Hast Du Niemand, der helfen kann?“

”Nein. Ich will überhaupt dabei ganz aus dem Spiele bleiben. Ich darf nicht das Geringste wissen, verstehen Sie? Es würde um mich geschehen sein, wenn man ahnte, daß ich im Einverständnisse bin.“

”Das läßt sich denken. Aber woher die Leute nehmen! Diese Bürger Soldaten schießen so sicher, daß ich bereits den dritten Theil meiner Leute eingebüßt habe. Wie viele Personen werden erforderlich sein?“

”Zwanzig ganz sicher.“

”Ah, und ich habe nicht vierzig! Ich brauche überhaupt neue Hände an Deck, und hier ist Niemand zu bekommen. Weißt Du Keinen, der Lust hat, es einmal auf einem Engländer zu versuchen? Ich zahle Dir für Jeden eine Guinee.“ ”Hm, vielleicht; aber ein Engländer ist es nicht.“ ”Ein Franzose?“ ”Ja, doch er hat es sehr eilig, aus dem Lande zu kommen.“ ”Das ist mir sehr lieb; solche Leute sind am besten zu brauchen; dazu ist ja die Schiffsordnung vorhanden. Wo ist der Kerl?“

”Hm! Er muß noch hier im Hause sein. Und wenn ich nicht irre, hat er auch einige Kameraden, welche sich vielleicht bereden lassen, auch an Bord zu gehen.“

”So schaffe ihn mir einmal herbei, aber schnell; ich habe nicht viel Zeit. Vorher jedoch bringe mir eine ganze Flasche Cognac; denn ein guter Schluck macht solche Leute willfährig.“

Der Wirth brachte das Bestellte und stieg dann abermals die Treppe empor. Dort oben gab es ein kleines, verstecktes Zimmer, an dessen Thüre Oncle Carditon klopfte. Es wurde geöffnet, und zwar von Surcouf, welcher sich mit Ervillard ganz allein in dem Raume befand.

”Was gibt es?“ fragte der Erstere. ”Er ist da,“ antwortete der Wirth. ”Wer? Der Kapitän?“ ”Ja,“ antwortete Oncle Carditon. ”Er arbeitet uns ganz außerordentlich in die Hände. Er braucht Matrosen und hat mir eine Guinee versprochen für einen Jeden, den ich ihm verschaffe.“

”Ah, Bert Ervillard, was meinst Du dazu? Willst Du Erster Offizier auf "the hen" werden?“

Die Augen des Gefragten strahlten vor Vergnügen, als er antwortete:

”Robert Surcouf, Du kannst Dich auf mich verlassen. Sage mir, was ich zu thun habe!“

”Es freut mich, daß Du Dein Auge grad so wie ich auf "the hen" geworfen hast. Sie ist die schmuckste Seglerin, welche ich jemals gesehen habe, und darum soll sie unser werden. Ihr Kommandant ist der Kapitän zur See, William Harton. Er muß große dienstliche Fehler begangen haben, da man ihm nur diese Brigantine anvertraut. Ueberhaupt ist er kein ehrlicher Seemann, sondern ein Spitzbube, dem wir auf die Finger klopfen werden. Er weiß, daß Toulon nicht zu halten ist und daß die ganze Flotte in einigen Tagen den Hafen verlassen wird; natürlich sticht auch er in See, will aber vorher erst einen Coup ausführen, welcher an und für sich schändlich ist, uns aber trefflich zu Statten kommt. Das Haus unsers Oncle Carditon stößt nämlich an die Banque orientale, in deren Kellern sich bedeutende Summen vermuthen lassen. Das Eigenthum der Bank steht natürlich unter öffentlichem Schutze; von außen ist demselben nicht beizukommen. Da hat sich nun dieser ehrliche Kapitän an Oncle Carditon gemacht, um ihn vorsichtig auszuforschen. Carditon ist scheinbar auf seine Absichten eingegangen, und so haben Beide beschlossen, von der Taverne aus mit Brechwerkzeugen in die Keller einzudringen. Das soll in der Nacht geschehen, bevor die Flotte den Hafen verläßt. Bei Oncle Carditon darf man natürlich nichts finden; den ihm gehörigen Antheil will der Kapitän in Barcelona deponiren. Was sagst Du dazu, Bert Ervillard?“

”Ich sage, daß dieser William Harton ein großer Schurke und ein noch größerer Dummkopf ist. Es gehört eine ungeheure Albernheit dazu, unsern Oncle Carditon für so albern zu halten, auf ein solches Geschäft einzugehen.“

”Das ist richtig. Ich glaube, dieser Kapitän hat einen großen Theil seines Verstandes vertrunken. Die Sache ist jedoch sehr vortheilhaft für uns. Um die Mauern zu bewältigen, braucht er eine ziemliche Anzahl kräftiger Arme; er wird dazu seine eigenen Leute nehmen und also die Brigantine von Männern entblößen; ist dies geschehen, so werden wir handeln.“

”Sind wir zahlreich genug?“

”Habe keine Sorge! Ich habe eine Anzahl braver Bursche, welche sich zwar zerstreut in der Stadt befinden, aber in einer Viertelstunde zur Stelle sind, wenn ich sie brauche. Jetzt nun sagt uns Oncle Carditon, daß der Engländer Matrosen brauche. Willst Du Dich melden, Bert Ervillard? Wenn Du mit einigen von meinen Jungens an Deck der Brigantine kommen könntest, so wäre das Unternehmen schon zur Hälfte gelungen.“

”Ich bin bereit dazu.“

”So hast Du keine Zeit zu verlieren. Als Engländer darfst Du ihm natürlich nicht kommen. Sage ihm, daß Du einige Bekannte in der Nähe hast, welche auch gern einige Meilen Wasser zwischen sich und Frankreich bringen möchten. Am besten würde es sein, wenn er euch für Landratten hält; er kann dann weniger leicht Mißtrauen schöpfen. Laß Dir von Oncle Carditon ein anderes Habit geben und komme dann wieder herauf!“

Während sich dies in der Taverne begab, rollte der Donner des Bombardement über die Stadt und die Rhede hin; er schwieg selbst während der Nacht nicht still, und am andern Morgen rüsteten sich die Truppen des Convents zum Sturme. Es war noch dunkel, als Dugommier und Napoleon ihre Colonnen gegen die Werke von Kleingibraltar führten. Das Tirailleurfeuer und die Kartätschen der Engländer wütheten in der Weise unter den Franzosen, daß Dugommier, der sonst so Unerschrockene, sich mit den Worten ”Wir sind verloren!“ zurückzog. Napoleon hatte sich aber im fürchterlichsten Kugelregen einen Weg in die feindlichen Redouten gebahnt, und bald befand sich Kleingibraltar in seinen Händen. Dann erstürmte er die beiden Forts Balagnier und Eguillette, und es erschienen die Deputirten des Convents, um ihm ihren Dank auszusprechen. Er hatte heut die erste große Stufe zum Consulate und zum Kaiserthrone erstiegen.

Admiral Hood zog sich zurück. Zunächst lichteten die größeren Schiffe die Anker; dann sollten die kleineren folgen. Die Rheden und das Meer waren von Schaluppen und Fahrzeugen bedeckt, welche sich mit Truppen und fliehenden Einwohnern an Bord des Geschwaders begaben. Unterdessen dauerte die Kanonade ununterbrochen fort, welche gegen die übrigen Befestigungswerke gerichtet war. Die Erde zitterte unter dem Donner der Geschütze, die See schäumte unter den peitschenden Schlägen von tausend Rudern, und die Luft zischte hinter den zahllosen Geschossen, welche sie nach allen Richtungen durchkreuzten. In der Stadt herrschte eine fieberhafte Aufregung. Man war auf den Gassen und Straßen derselben seines Lebens nicht sicher. Wer den Convent zu fürchten hatte, der floh, und wer zurückblieb, der verbarrika- dirte [verbarrikadirte] sich in seinem Hause aus Furcht vor den Marodeurs, welche in größeren oder kleineren Trupps ihr räuberisches Handwerk trieben.

Diejenigen Schiffe, welche noch in dem innern Hafen lagen, mußten an den Befestigungen vorüber, welche sich jetzt in den Händen der Conventtruppen befanden. Mehrere von ihnen wurden von den Artilleristen Napoleon's in den Grund gebohrt; darum blieben die übrigen zurück, um den Schutz der Nacht zu erwarten, wo sie meinten, mit größerer Sicherheit auslaufen zu können. Zu ihnen gehörte auch die Brigantine ”the hen“.

Als der Abend hereingebrochen war, stellte sich der Kapitän Harton bei Oncle Carditon ein. Es befand sich kein einziger Gast in der Taverne, denn es gab Niemand, der Zeit und Lust gehabt hätte, in dieser Zeit der Not die Seinen zu verlassen, um nach alter Gewohnheit beim Glase zu sitzen. ”Wie steht es; ist Alles sicher?“ frug er den Wirth. ”Alles,“ antwortete dieser. ”Und drüben in der Bank?“ ”Man hat Wächter in die oberen Räume gestellt; nach unten aber können diese nicht. Uebrigens ist die Kanonade so stark, daß kein Lauscher Ihre Arbeit vernehmen kann. Haben Sie genug Leute mit?“

”Ja. Oeffnen Sie Ihren Keller; sie werden gleich kommen. Im Weiteren aber werden Sie sich nicht um uns bekümmern!“

”Hier ist der Schlüssel. Und ich gebe Ihnen mein Wort, daß ich es nicht bin, der Sie belästigen wird. Aber sagen Sie vorher Eins: haben Sie die versprochenen Männer an Deck bekommen?“

”Ja. Es sind Elf, zwar lauter junge, unbefahrene Leute, die nur deßhalb zu Schiffe gehen, weil ihnen hier der Boden unter den Sohlen brennt; aber ich bin doch froh, sie bekommen zu haben. Andere sind weniger glücklich wie ich, und die neunschwänzige Katze ist der beste Lehrmeister, den es gibt.“

”Sie verwenden sie doch nicht zu dem jetzigen Unternehmen?“ ”Fällt mir gar nicht ein! Sie sind mir nicht sicher genug; auf meine Theerjacken aber kann ich mich verlassen.“

Er nahm den Schlüssel und ging hinaus. Der Wirth nickte befriedigt vor sich hin und brummte:

”Wirst Dich wundern, alter Spitzbube! Wie gut, daß er den Bert Ervillard an Bord gelassen hat; dieser wird mit den zehn Kameraden schon dafür sorgen, daß "the hen" in die rechten Hände kommt.“

Nach einiger Zeit vernahm er draußen das Geräusch zahlreicher Schritte, und wenige Minuten später trat Robert Surcouf ein.

”Gefangen!“ lachte er. ”Jetzt, Oncle Carditon, gib uns noch einen guten Schluck; dann brechen wir auf.“ ”Stecken sie fest?“ ”Fest! Wir haben so viele Tonnen auf die Thür gewälzt, daß sie diese vom Keller aus gar nicht zu öffnen vermögen. Auch habe ich dafür gesorgt, daß sie von der Bank aus gut empfangen werden. Es sind über zwanzig Männer; "the hen" ist also entblößt, und so zweifle ich nicht, daß unser Streich gelingen wird.“

”Ihr werdet sofort in See stechen?“ ”Nein. Robert Surcouf ist kein Einbrecher, der nur im Dunkel der Nacht sein Wesen treibt. Ich werde am hellen Tage und mit offener, französischer Flagge den Hafen verlassen.“ ”Das würde keine Kühnheit mehr, sondern Wahnsinn sein!“ ”Desto sicherer wird es gelingen. Habe Dank für Deine Hilfe, mein guter Oncle Carditon. Du wirst von mir und den Meinigen bald hören!“

Draußen im Flure standen gegen dreißig Männer, welche sich am Tage über in den obern Räumen des Hauses versammelt hatten. Sie tranken auf das Gelingen ihres Vorhabens und verabschiedeten sich dann vom Wirthe. Mit Surcouf an der Spitze begaben sie sich an das Wasser, wo sie die Boote fanden, auf denen Kapitän Harton mit seinen Leuten angekommen war. Sie bestiegen dieselben und ruderten auf ”the hen“ zu. Sie hatten die Brigante noch nicht ganz erreicht, so hörten sie, daß an Bord derselben Jemand ein Liedchen pfiff.

”Das ist das Zeichen,“ flüsterte Surcouf. ”Die Unsrigen haben ihre Schuldigkeit gethan und sich in den Besitz des Fahrzeuges gesetzt.“ ”Ahoi, Brigantine!“ rief er jetzt.

Da bog sich ein Kopf über die Regeling des Schiffes herab, und die Stimme Bert Ervillard's frug: ”Boote ahoi! Welche Männer sind es?“ ”Die richtigen!“ antwortete Surcouf. ”Grâce à Dieu! Laßt die Treppe herab, Jungens! Der Kapitän kommt.“

Die Ankommenden stiegen an Bord und zogen dann die Boote nach. Bert Ervillard hatte die Besatzung des Schiffes hinunter in den Kielraum gelockt und dort eingeschlossen. Die Brigantine befand sich in der Gewalt Surcouf's, und eine nähere Untersuchung ergab, daß ihre Ausrüstung bis auf das Allerkleinste eine ganz vorzügliche war. Der schwierigste Theil der Aufgabe freilich war noch zu lösen: es galt, das so leicht eroberte Fahrzeug nun auch zu behaupten.

Während der Nacht versuchten mehrere Schiffe, an den Batterien der Franzosen unbemerkt vorüberzukommen, aber die Kanoniere waren aufmerksam und ließen sich nicht täuschen. Surcouf blieb ruhig vor Anker liegen und verwendete auch den ganzen Vor- und Nachmittag nur darauf, die Brigantine für seine Zwecke einzurichten und ihr den möglichst hohen Grad der Seetüchtigkeit zu geben. Durch einen Boten, den er in die Taverne sandte, erfuhr er, daß die Engländer noch immer als Gefangene im Keller stäcken und auch nicht eher hervorkommen dürften, als bis ”the hen“ in See gegangen sei.

Endlich am späten Nachmittag gab das Admiralsschiff den noch in den Häfen befindlichen Fahrzeugen das Zeichen, schleunigst die See zu suchen, und zu gleicher Zeit sah man die Besatzung von dreizehn französischen Orlogschiffen, welche sich an dem Aufstande gegen den Convent betheiligt hatten, ihre Fahrzeuge verlassen, um sich an Bord der Engländer zu begeben.

Bei diesem Anblick ballte Surcouf die Faust.

”Treulose Feiglinge!“ sagte er zu Bert Ervillard, seinem Lieutenant. ”Wir wagen das Leben, um dem Feinde eine kleine Brigantine abzunehmen, und sie lassen neun Linienschiffe und vier Fregatten im Stiche, eine ganze Flotte, mit welcher ich diese Engländer um die Erde jagen würde!“

”Sie verdienen an die große Raa gehängt zu werden!“ antwortete Ervillard. ”Aber ein Trost ist es, daß ihre Schiffe der Nation verbleiben werden, denn der Convent wird sie schleunigst in Besitz nehmen.“

”Meinst Du wirklich? Ich sage Dir, daß auf jedem dieser Schiffe bereits die Lunte brennt; in kurzer Zeit wirst Du dreizehn riesige Flammen leuchten sehen.“

”Ist es nicht möglich, wenigstens eines davon zu retten und in Besitz zu nehmen?“

Surcouf schüttelte den Kopf.

”Ich thue es nicht. Der Convent hat mich abgewiesen; ich habe kein Recht, mich eines seiner Schiffe zu bemächtigen, und also auch keine Verpflichtung, ihm eines derselben zu retten. Uebrigens sind wir zu wenig Mannen, mit einem Orlogschiff zu manövriren; unsere kleine Brigantine entspricht meinen Zwecken viel besser, und ich halte es für gerathener, dem Feinde ein Fahrzeug vor der Nase wegzunehmen, als den Retter zu spielen, wenn ich weiß, daß ich statt des Lohnes nur Undank ernte. Ich habe diesem Colonel Bonaparte gesagt, daß Frankreich's Flagge sich senken werde; er hat mich ausgelacht; aber bereits heut beginnt die Trauer unserer Marine, denn das Meer wird dreizehn ihrer besten Schiffe im Werthe von vielen Millionen verschlingen. Vielleicht denkt der Colonel, wenn er die Flammen lodern sieht, an mich, obgleich er mich so schnell vergessen wollte.“

Er wandte sich ab, um vor Anbruch der Nacht noch einmal alle Räume und die ganze Ausrüstung des Schiffes durchzumustern, denn es galt, des Fahrzeuges selbst in den kleinsten Einzelheiten mächtig zu sein.

Der Abend neigte sich auf die unglückliche Stadt, und kaum hatte sein Dunkel die Umrisse der Plätze und Straßen umhüllt, so ertönte ein Donnerschlag, welcher Erde und Wogen erbeben machte: das Hauptmagazin war explodirt und in die Luft geflogen, und zu gleicher Zeit stiegen aus dem Zeughause fünf mächtige Flammensäulen zum Himmel empor. Kaum war dies geschehen, so liefen an den Masten der dreizehn französischen Kriegsschiffe züngelnde Feuerschlangen empor. Die ganze Stadt und die Häfen wurden von diesen gewaltigen Feuern tageshell erleuchtet. Alles, was Ruder und Segel besaß, flüchtete hinaus auf die offene See, und nur die Brigantine blieb ruhig liegen. Sie war von den eroberten Forts aus ganz gut zu erkennen; man konnte von diesen Punkten aus sogar die Bemannung erkennen, welche sich auf den Raaen und im Takelwerke befand, um den Anblick des feurigen Panoramas besser genießen zu können. Das Verhalten dieses Fahrzeuges mußte natürlich auffallen; man konnte sich keinen Grund denken, weßhalb sich dieser Engländer nicht auch in Sicherheit brachte, und behielt ihn scharf und mißtrauisch im Auge, bis nach einigen Stunden die Flammen erloschen und die Dunkelheit sich wieder über Land und See ausbreitete.

Bereits mit Tagesanbruch stand Napoleon in einer der den Hafen beherrschenden Batterien. Er hatte während der Nacht nicht geschlafen, desgleichen auch General Dugommier, welcher an seiner Seite sich befand. Sie hatten die Fernrohre an den Augen und beobachteten das Fort La Malgue, welches ihnen noch Sorgen bereitete. Es schien verlassen zu sein, aber man konnte annehmen, daß es vorher unterminirt worden sei. Bei dieser Gelegenheit richtete Napoleon sein Glas auch auf die Brigantine, welche sich soeben aus dem aufsteigenden Nebel abzuzeichnen begann.

”Was ist das!“ rief er. ”Bürger General, welcher Name hat gestern am Buge dieser Brigantine gestanden, welche uns soviel zu denken gibt?“ ”The hen,“ antwortete der Gefragte. ””Man [”Man] hat während der Nacht diesen Namen überstrichen und geändert. Das Wort ist ganz deutlich durch das Rohr zu erkennen.“

Der General richtete sein Glas, las und schüttelte den Kopf.

”Unbegreiflich!“ meinte er. ”Da steht geschrieben "le faucon"; es ist aus der englischen "Henne" ein französischer "Falke" geworden. Was hat dies zu bedeuten?“

”Nichts Anderes als eine List, ein Verrath gegen uns.“

”Pah, dieses kleine Fahrzeug kann uns nichts thun! Ah, jetzt hißt es die Segel. Mille tonnerre, die Wimpel haben französische Farbe! Man hebt den Anker; die Morgenluft bläht die Leinwand; die Brigantine will in See stechen!“ ”Das will ich ihr verbieten!“ meinte Napoleon. Er trat an eine der Kanonen, deren Lauf er eigenhändig richtete; dann lächelte er, seiner Sache gewiß:

”Sie muß in Schußlinie vorüber. Man wird sehen, ob der Bürger Bonaparte noch zu schießen vermag.“

Der General gab mit der Hand ein verneinendes Zeichen.

”Der Mann da auf dem Hinterdecke kommt mir nicht wie ein Engländer vor. Ich bin kein Seemann, aber das sehe ich, daß sich das Schiff in ausgezeichneten Händen befindet; es gehorcht wie ein Vollblutpferd dem leisesten Steuerdrucke. Uebrigens beobachtet uns der Kapitän ebenso durch das Rohr, wie wir ihn.“

Bonaparte nahm sein Glas abermals vor und blickte hindurch; dann zog er es rasch vom Auge, wischte es ab und schaute noch einmal nach dem Befehlshaber der Brigantine. Dieser hatte ihn durch das Rohr erkannt[,] schwang sich in den Wanten empor und schwenkte grüßend seine Mütze.

”Er salutirt zu uns herauf,“ meinte der General. ”Er muß einen von uns Beiden kennen.“ ”Ich bin es, den er kennt,“ antwortete Bonaparte. ”Ah! Wer ist es?“ ”Bürger General, das ist eine Geschichte, welche ich erzählen werde, wenn mir mehr Muße dazu bleibt. Dieser junge Mensch wollte von dem Convente ein Schiff haben; man hat es ihm verweigert, und nun hat er sich selbst eins genommen, und zwar mitten aus der englischen Flotte heraus.“

”Außerordentlich, ganz außerordentlich! Wie hat er dies angefangen?“ ”Mir unbegreiflich!“ ”Wir werden es erfahren. Er hat jedenfalls die Bemannung zu überwältigen gewußt. Ein kühner Bursche! Leider aber wird er seinem Verderben entgegengehen. Draußen liegen die englischen Schiffe: sie werden ihn zusammenschießen.“

”Leider! Hätte er den Namen des Schiffes nicht so augenfällig verändert, so wäre es ihm möglich, hindurch zu kommen.“ Jetzt kam die Brigantine in das Bereich der Batterie. Mit einem lauten Commandorufe brachte Surcouf seine Leute hinauf auf die Raaen, wo sie, sich die Hände reichend, Parade bildeten. Zu gleicher Zeit flog die französische Flagge empor, und aus den Stückpforten krachte die gebräuchliche Zahl der Begrüßungsschüsse. Dies Alles geschah mit einer solchen Gewandtheit und zierlichen Genauigkeit, daß selbst der sonst so kalte Bonaparte hingerissen wurde. Er kommandirte Feuer und gab mit geladenen Kanonen Antwort auf den Gruß des Mannes, den zu vergessen er sich vorgenommen hatte. Natürlich waren die Kugeln jetzt nicht gezielt; sie flogen weit an der Brigantine vorüber, welche mit graziöser Schwenkung dem Bereiche der Batterie entsegelte.

Kaum war sie vorüber, so wurde ein Mann am Bug herabgelassen, der sich mit der Inschrift zu schaffen machte. Jetzt sahen die beiden in der Redoute befindlichen Offiziere, daß der ursprüngliche Name nicht vertilgt, sondern nur mit einem Papier überklebt worden war, auf welchem die beiden Worte "le faucon" standen. Diese Worte wurden jetzt entfernt, und nun kam wieder der frühere Name "the hen" zum Vorschein.

”Ah diable, er hat uns betrogen!“ rief General Dugommier. ”Die ganze Scene war nur Komödie, um unangefochten an der Batterie vorüber zu kommen. Man hat ihm kein Schiff gegeben, und nun ist er zu dem Feinde übergegangen.“

”Das glaube ich nicht,“ antwortete Napoleon. ”Dieser Surcouf ist keines Verrathes an seiner Nation fähig, denn er ist eigenthümlicher Weise ein frommer Christ und guter Katholik. Diese Art von Leuten hat neben anderen Eigenschaften auch die, daß man auf sie rechnen kann. Ich glaube eher, daß er beabsichtigt, die Engländer zu düpiren.“

”Das werden wir sehen, sobald er in den Bereich ihrer Kanonen kommt.“

Die Brigantine flog mit vollen Segeln und zierlich sich zur Seite neigend über die Rhede dahin. Draußen kreuzten die Dreimaster der Engländer; man konnte mit dem bloßen Auge jedes einzelne Schiff erkennen. Am deutlichsten war das Flaggenschiff zu unterscheiden, auf welchem sich Admiral Hood in eigener Person befand. Die Brigantine hielt grad auf dasselbe zu; sie wurde noch immer von den Fernrohren der beiden Offiziere verfolgt.

”Er segelt das Signalschiff an; er ist wirklich ein Abtrünniger,“ sagte General Dugommier.

”Wir wollen noch warten,“ meinte Napoleon. ”Diese Episode ist wirklich hochinteressant!“

”Könnte er sich in die Nähe des Flaggenschiffes wagen, wenn er den Engländern wirklich entkommen will?“ ”Das scheinbar Schwierigste ist zuweilen just das Leichteste. Ah, was ist das?“ ”Die Leute, welche wieder durch die Luken heraufsteigen?“ ”Ja. Sie gingen vor zwei Minuten hinab; jetzt, da sie zurückkehren, tragen sie die Uniform englischer Seeleute. Mir ahnt, was dieser verteufelte Surcouf beabsichtigt. Wenn meine Vermuthung in Erfüllung geht, so ist dieser junge Bretagner allerdings ein Mann, dem man ein Schiff hätte anvertrauen sollen!“

Die Wangen des kleinen Corsen rötheten sich; die Brigantine nahm jetzt sein regstes Interesse in Anspruch. Er dachte nicht an Toulon, an die gewaltigen Werke, welche vor ihm lagen, sondern er sah nur das kleine Fahrzeug, welches keck und kühn den stolzen Linienschiffen England's in die Zähne segelte.

”Der Mensch wird doch nicht so verrückt sein, zu glauben, daß er an diesem Punkte die Linie durchbrechen kann!“ hob der General wieder an. ”Er müßte sich weiter nach Ost halten, um dem Feinde den Wind abzugewinnen.“

”Wer weiß, welcher Berechnung er folgt! Vielleicht hat er trotz der kurzen Zeit "the hen" genau genug kennen gelernt, um zu wissen, was er mit ihr wagen kann. Voilà, da dreht das Flaggenschiff bei! Er hat das Zeichen gegeben, daß er mit dem Admirale reden will.“

Jetzt kam ein Augenblick der größten Spannung. Das Flaggenschiff hatte beigedreht, indem es den einen Theil seiner Segel voll im Winde ließ, den andern aber so braßte, daß der Wind von außen empfangen wurde. Nun hätte man erwarten sollen, daß die Brigantine ihre Segel fallen ließe, statt dessen aber setzte Surcouf ein Sternsegel nahe am Winde bei und ließ den Helm- stock [Helmstock] des Steuerruders an der Leeseite festbinden. Dadurch wurde der Vordertheil des Schiffes der hohen See zugekehrt, und die beiden Fahrzeuge trieben einander langsam entgegen.

Napoleon sah durch das Rohr Surcouf auf dem Hinterdecke stehen, in englischer Uniform und das Sprachrohr in der Hand, aber in einer solchen Haltung, daß man vom Flaggenschiff aus sein Gesicht noch nicht zu sehen vermochte. Kaum noch fünf oder sechs ihrer eigenen Längen war die Brigantine von dem Dreimaster entfernt, da winkte Surcouf mit dem Rohre. Sofort riß der Mann am Steuer das Tau vom Ruder, und das Sternsegel wurde gerefft: ”the hen“ nahm frischen Wind und kam wieder in schnelle Fahrt. Statt anzuhalten, strich sie mit ziemlicher Schnelligkeit an dem Dreimaster vorüber. Napoleon sah, daß Surcouf abermals den Arm erhob. In diesem Augenblick legte sich die Brigantine schwer zur Seite und die französische Flagge flog empor. Zunächst erblickten die beiden Officiere einen lichten Rauch, welcher der Breitseite des kleinen Fahrzeuges entquoll; dann sahen sie das große, stolze Flaggenschiff bis an die Spitze seiner Masten erzittern, und einige Augenblicke später hörten sie den Donner der Kanonen, mit denen der kühne Bretagner das Orlogschiff begrüßt hatte.

Eine Minute nachher faßte die Brigantine vollen Wind, und ehe man auf dem Linienschiffe sich von seinem Erstaunen erholt hatte, war sie bereits aus sicherer Schußweite gekommen. Man sah, welche Verwirrung dieses außergewöhnliche Intermezzo auf dem Admiralsschiffe hervorrief; es wendete und jagte dem Flüchtling eine Breitseite nach, aber ohne zu treffen; dann flogen Signale an den Leinen empor, welche von den anderen Schiffen beantwortet wurden, und bald befanden sich alle verfügbaren Fahrzeuge auf der Jagd nach dem verwegenen Zwerge, welcher es gewagt hatte, den Riesen zu täuschen und mit ihm anzubinden.

”Ah, excellent, excellentissime!“ rief General Dugommier, indem er tief aufathmete. ”Dieser Mensch ist wirklich ein kleiner Teufel, der alles Lob verdient.“

”Lob?“ erwiderte Bonaparte. ”Bürger General, was dieser Robert Surcouf geleistet hat, ist über alles Lob erhaben; ich, Napoleon Bonaparte, sage, daß er eine Schlacht gewonnen hat. Ich wünsche von Herzen, daß er entkommt. Stände ich an der Spitze der Marineangelegenheiten, so würde ich ihn zurückrufen, um ihm eine Flotte anzuvertrauen. Ich habe mich in diesem Genie getäuscht!“ –

Drei Tage später trat ein korsischer Fischer aus Calvi bei ihm ein. Dieser hatte die Brigantine ”le faucon“ getroffen und von dem Befehlshaber derselben einen Brief erhalten, um ihn bei Napoleon abzugeben. Derselbe lautete:

”An den Bürger Colonel Bonaparte. Ich habe mein Wort gehalten und mir ein Schiff genommen. Wenn Gott mich beschützt, so daß ich unbeschädigt an Gibraltar vorüberkomme, wird man bald Weiteres von meinen Träumen hören. Robert Surcouf.“

Napoleon Bonaparte faltete das Papier langsam und nachdenklich zusammen. Und doch ahnte er nicht, daß er einen der größten Fehler seines Lebens begangen hatte, als er diesem Manne seine Protection verweigerte. – – –

Der Flug des Falken.


Seit den letzt erzählten Ereignissen waren sieben Jahre vergangen. Napoleon hatte in Italien seine Adler steigen lassen, in Aegypten seine Siege erfochten und war erster Consul geworden. Der kleine Corse regierte mit Cambacérès und Lebrun das Land, war aber in Wirklichkeit der einzige Regent Frankreich's.

Die Prophezeiung Robert Surcouf's hatte sich erfüllt. Die Nation war von inneren Kämpfen zerrissen und von äußeren Kriegen geschwächt worden; zu Lande war ihr der Sieg treu geblieben, zur See aber hatte sie sich stets schwach gezeigt. Napoleon war ein großer Feldherr, aber ein schlechter Admiral; es fehlte an einem Geiste, welcher berufen gewesen wäre, ein Bonaparte zur See zu sein.

Die Marine war Frankreich's schwächste Seite, und darum war England der gefürchtetste Gegner desselben. Der eines großen Geistes würdige Plan Napoleon's, England in Egypten und Indien anzugreifen, war an der Unfähigkeit des Admirals Brueys gescheitert, welcher sich trotz seiner Uebermacht von Nelson bei Abukir schlagen ließ. Das stolze Albion beherrschte alle Meere; sein Krämersinn übte auf die Schifffahrt aller Nationen einen Druck, der sich kaum ertragen ließ. England schrieb Gesetze vor und änderte dieselben nach Belieben; es trachtete nach dem Monopole des Handels, nach der Beherrschung des Weltverkehres und erzwang sich auf diesem Wege des Druckes und der Pressung ungeheure Summen, mit denen es wieder im Stande war, sich die Kabinete zu erkaufen und die Regierungen also von sich abhängig zu machen.

England schien unverwundbar zu sein. Es besaß neben Nelson Hunderte von Seemännern, denen Frankreich nicht einen Einzigen entgegenstellen konnte; es lachte der Anstrengungen seiner Feinde; es erlaubte sich die brutalsten Eingriffe in das Völkerrecht; es konnte dies ungestraft thun; es konnte die aufrichtig gemeinten Friedensanerbietungen des ersten Consuls mit verächtlichem Schweigen oder mit beleidigenden Floskeln beantworten, denn der einzige Franzose, den es fürchtete, wirklich fürchtete, schwamm in einem kleinen, unansehnlichen Fahrzeuge auf fernen Meeren und hatte sich selbst aus seiner Heimat verbannt, weil er von derselben verstoßen worden war und da draußen in der Fremde Menschen gefunden hatte, die ihn liebten und verehrten, die ohne seinen Schutz nicht leben konnten und ohne seine Hülfe elend umgekommen wären. Und dieser Einzige war kein Anderer als Robert Surcouf, der kühne Sohn der Bretagne. –

Es war an einem lichten Sommertage. Die Sonne Indien's neigte sich dem Untergange entgegen, so daß die Schatten der Masten riesenhaft über die Wogen fielen. Während des Tages hatte die glühende Hitze nicht einen erfrischenden Windhauch aufkommen lassen, jetzt aber erhob sich ein leises Lüftchen, welches von Viertelstunde zu Viertelstunde immer stärker wurde und im Hafen von Pondischery die warmen Fluthen zu kräuseln begann.

Pondischery, ursprünglich eine französische Colonie, war den Franzosen 1793 von den Briten abgenommen und dem Nabob von Karnatik übergeben worden. Man hatte die Festungswerke geschleift und auch in übriger Beziehung alle französischen Erinnerungen zu verlöschen gesucht. Grad jetzt lag der Hafen voller Schiffe; der in dieser Jahreszeit herrschende Südwestmonsun hatte sie herbeigeführt und bot ihnen treffliche Gelegenheit, ihren Weg nach Osten weiter fortzusetzen. Es waren Fahrzeuge aller Nationen vorhanden, nur kein französisches; denn den Schiffen dieser Nationalität erschwerte man durch allerlei Schikanen die Einfahrt, und ein Kriegsschiff derselben brauchte den Versuch, hier die Anker zu werfen, gar nicht zu machen.

Etwas weiter vom Lande entfernt, als die anderen Schiffe, lag eine kleine Brigg mit Schoonertakellage. Es war ein Yankee, welcher die Aufmerksamkeit der anwesenden Kapitäns nicht wenig in Anspruch nahm. Die Brigg hatte die neue amerikanische Bauart: scharfes, bis an die Gallion verlängertes Vordertheil, schmale Brust und ungewöhnlich schlanken Körper. Sie zeichnete sich jedenfalls durch ihre feinen Wasserlinien und eine Schnelligkeit aus, welche man recht gut auf sechzehn bis siebzehn Seemeilen für die Stunde annehmen konnte. Diese Brigg war gewiß ein ausgezeichneter Küstenfahrer; aber es gehörte ein kühner, trefflicher Seemann dazu, sich mit einem so leicht dem Kentern ausgesetzten Fahrzeuge über den großen Ocean zu wagen. Und dieser Seemann war noch so jung; er konnte kaum dreißig Jahre zählen. Er hatte Wein und Spirituosen geladen, welche er gegen Opium und Indigo umzutauschen beabsichtigte; er hatte aber seine Ladung noch Keinem angeboten.

Ganz in der Nähe dieser Brigg lag ein Engländer, ein großes, dreimastiges Kauffahrteischiff. Es hatte hier ausgezeichnete Geschäfte gemacht und wollte morgen den Anker lichten; für heut Abend aber gab der Kapitän seinen Handelsfreunden ein Abschiedsfest, zu welchem auch die Kapitäns der nahe liegenden Schiffe geladen waren.

Als der Abend hereingebrochen war, ließ der Engländer einige Raketen steigen, worauf die Geladenen von ihren Schiffen stießen, um bei ihm an Deck zu kommen. Auch der Amerikaner stellte sich ein. Vom Lande kamen die Gäste herbeigerudert und brachten ihre Frauen und Töchter mit. Eine Musikkapelle war schon an Bord. Nach kurzer Zeit klangen die lustigen Weisen derselben über die Wogen dahin. Das Vorderdeck war zum Tanzen geräumt, und im Hintertheile stand die lange Speisetafel nebst den Buffets, an denen man sich nach Belieben erfrischen konnte.

Am muntersten ging es während der Tafel zu. Toast verdrängte Toast; die Herren waren bereits ein wenig angeheitert und ließen sich nach Seemannsart mehr gehen, als es eigentlich die Anwesenheit der Frauen gestattet hätte. Natürlich wurden allerlei merkwürdige Seegeschichten erzählt; ein Jeder hatte etwas Ungewöhnliches erlebt, und es kam manche Münchhauseniade zum Vorscheine, über welche herzlich gelacht wurde. Aber man erzählte auch Ernsthaftes, z. B. von berühmten Kaperschiffen. Bei diesem Thema schlug einer der Kapitäns mit der Faust auf den Tisch und sagte:

”Geht mir mit Euren Kapers und Privateers! Sie alle sind doch nichts gegen den "Falken am Aequator". Wer unter Euch hat ihn gesehen?“ Keiner antwortete, und der Sprecher fuhr fort: ”So bin ich es allein, der ihm begegnet ist.“ ”Begegnet? Wirklich?“ rief es rundum. ”Still! Ruhig! Erzählt, Kapitän! Wie sah er aus? Was that er? Welches Schiff hatte er?“

”Das war vor zwei Jahren, unter fünf Grad nördlicher Breite und ungefähr auf der Länge von Adaman. Wir hatten einen Sturm, wie ich ihn noch nie erlebt habe, und das will viel sagen. Der Tag war finster wie die Nacht; der Orkan schien aus allen Richtungen auf uns einzufahren; der Himmel hing bis auf das Wasser nieder, und die Wogen stiegen bis in die Wolken empor. Da plötzlich sahen wir beim Scheine der Blitze ein fremdes Fahrzeug, dessen Schnabel grad gegen unsern Bug gerichtet war. Seine Segel glänzten weiß wie das Federfell eines Schwanes, und – glaubt's oder glaubt's nicht– der Halunke hatte kein einziges Reff gelegt; er fuhr mit voller Leinwand auf uns ein. Es war ein zweimastiges Fahrzeug, ungefähr so was man eine Brigantine nennt. Natürlich hatte ich Angst vor dem Zusammenprall und befahl dem Manne am Steuer, einen Strich abzufallen. Da schoß der Fremde an uns vorüber, so nahe, daß ich ihn mit der Hand greifen konnte. Ich nahm das Sprachrohr an den Mund und rief ihn an: ""Schiff ahoi! Welches Fahrzeug?"" Ich sah keine Menschenseele auf dem Deck; ein einziger Mann hing in den Backbordwanten. Dieser brauchte kein Rohr; er legte die eine Hand an den Mund und rief herüber, als ob das Brüllen des Sturmes nur ein leises Säuseln sei: ""Der Falke des Aequators, Kapitän Surcouf. Gebt ihm Eins! Feuer!"" – Da erst sehe ich drüben die französische Flagge und unter ihr die blutrothe wehen; es thun sich sechs Geschützpforten auf, und wir bekommen die Kugeln in den Rumpf, während der Franzose im Dunkel des Wetters verschwindet. Na, wir haben die Löcher verstopft und weiter keinen großen Schaden gehabt; aber wenn der Kerl bei solchem Sturme den Spaß nicht lassen kann, wie mag es dann erst gehen, wenn er bei sicherer See einmal Ernst macht!“

”Ja,“ meinte einer der Zuhörer, ”er soll ein entsetzlicher Kerl sein. Admiral Seymur sagte von ihm: ""Er hat eine jährliche Rente von 365 gekaperten Schiffen,"" und das ist genug gesagt. Er segelt mit seinem Zweimaster die größten Schiffe an und soll selbst ein Orlogschiff ersten Ranges nicht fürchten.“

”Oho!“ rief der Kapitän, welcher den Wirth machte. ”Mir sollte er nicht kommen; ich würde ihn schlimm heimschicken, so wahr ich James Sarald heiße!“

”Sprecht nicht zu viel, Kapitän!“ warnte Einer. ”Kennt Ihr die Angriffsweise dieses Robert Surcouf?“ ”Nun?“ ”Er ist kein Seeräuber; er zeigt Euch ganz ehrlich seine Flagge und kommt an Euch heran, ohne einen Schuß zu thun. Bord an Bord aber, springt er mit zwanzig Mann zu Euch an Deck. Wehrt Ihr Euch, so braucht er seine Waffen; ergebt Ihr Euch aber, so geschieht Euch kein Leid. Er führt Euer Schiff nach dem Hafen der nächsten französischen Colonie, wo es im Namen Frankreich's mit Beschlag belegt wird. Ihr erhaltet richtige Bescheinigung und Reisegeld, um nach Hause zu kommen.“ ”Weiter nichts? Mit zwanzig Mann? Pah!“ ”Lacht ja nicht, Kapitän Sarald!“ rief ein Anderer. ”In der Nähe des Ambra-Vorgebirges hat er mit zwanzig Mann den "Bananian" geentert, ein Schiff der ostindischen Compagnie mit 6 Kanonen schwersten Kalibers und über 200 Mann Besatzung, alle gut bewaffnet.*) Ich mag ihm nicht begegnen!“

”Und ich wünsche nun grad, ihm zu begegnen!“ behauptete Sarald.

”Sprecht diesen Wunsch nicht aus, denn er könnte in Erfüllung gehen!“ meinte sehr ernst der Amerikaner, welcher bisher schweigend zugehört hatte. ”Es soll mit Surcouf nicht zu scherzen sein.“

”Oh, Ihr mögt Euch vor ihm fürchten, Ihr mit Eurer Nußschale,“ antwortete Sarald; ”ich aber würde ihm nur mit der neunschwänzigen Katze antworten.“

Der Yankee lächelte, indem er kopfschüttelnd bemerkte:

”Darauf könnte sehr leicht eine Gegenantwort erfolgen, die noch schlimmer als die Katze wirkt. Was aber meine "Nußschale" betrifft, so dürfte sich dieselbe mehr Respekt erwerben, als Euer Dreimaster.“

”Oho! Soll das eine Beleidigung sein?“

”Ich bin Euer Gast und pflege einen Gastfreund zu ehren, aber nicht zu beleidigen. Um Euch jedoch zu beweisen, daß ich auf meine Nußschale stolz sein kann, will ich Euch einmal ein Maneuvre von ihr zeigen, welches mir nicht leicht Einer nachmachen soll.“ ”Was wäre das?“ ”Paßt auf!“ Er trat an die Regeling, legte die Hand an den Mund und rief nach Lee hinüber, wo in einer Entfernung von vielleicht fünfhundert Faden seine Brigg lag:

”Ahoi, Ervillard!“ ”Ahoi!“ antwortete es durch ein Sprachrohr von drüben herüber. ”Anker auf!“ ”Aye, Sir!“ ”Bei allen Stürmen,“ meinte der, welcher vorhin die Begegnung mit dem ”Falken“ erzählt hatte, ”Kapitän, Ihr habt ja eine wahre Posaunenstimme, fast wie damals Surcouf, als er mir die sechs Kugeln gab!“

Die Versammlung war im höchsten Grade begierig, was geschehen werde. Man erhob sich und drängte nach der Leeseite, um die Brigg zu beobachten. Man sah, daß sie den Anker hob und ihre Leinwand entfaltete; dann rief der Yankee:

”Mylords und Myladies, darf ich bitten, mir einmal nach dem Achterbord zu folgen? Ich kann dort am besten mein Maneuvre erklären.“

Sie folgten ihm ohne Ausnahme nach dem hochgebauten Hintertheile des Schiffes, so daß sich vom Spriet bis an den Besaan nur die Musikanten befanden, einige Matrosen ausgenommen, welche die Gäste zu bedienen hatten; die anderen Deckhände befanden sich im Unterraume, wo sie sich heut beim Grog gütlich thun durften.

”Seht,“ meinte der Yankee, ”wie meine Brigg dem einen Segel gehorcht. Ein unvergleichliches Fahrzeug! Ein solcher Segler würde für Surcouf passen. Aber à propos, es wurde vorhin nicht geglaubt, daß er mit zwanzig Burschen ein Schiff mit zweihundert Mann und sechsundzwanzig Kanonen weggenommen hat. Was ist wohl schwieriger, Mylords, ein solches Schiff zu nehmen oder mitten in einem besuchten Hafen mit zwanzig Mann einen gut bewehrten Dreimaster zu entern?“

”Das Letztere ist geradezu unmöglich!“ antwortete ein alter Seemann, der wohl bereits über fünfzig Jahre lang die See gepflügt hatte.

”Wirklich, Kapitän? Es soll Leute geben, die auch dieses Stück dem Surcouf zutrauen.“ ”Mit zwanzig Mann?“ ”Ja. Wir haben ja gehört, daß er die Gewohnheit hat, nur mit zwanzig Mannen anzugreifen. Aber das sollen auch Burschen sein, die sich nicht fürchten, die Großmutter des Teufels aus der Hölle zu holen. Seht, da kommt die Brigg! Wie malitiös sie herantänzelt, grad als ob sie sich über den mächtigen Dreimaster lustig machen wollte, der kleine David über den Goliath!“

”Aber was soll das?“ frug Kapitän Sarald. ”Was soll die Brigg so nahe bei mir?“

*) Diese That ist geschichtlich wahr, so unglaublich sie auch klingen mag. ”Es ist das Maneuvre, zu welchem ich Euch hier auf dem Achterdeck versammelt habe. Seht, jetzt ist sie da; sie läßt das Segel fallen, und nun springen meine Jungens an Deck.“

”Aber ich frage noch einmal, wozu dieses Maneuvre? Was sollen Eure Jungens an meinem Bord?“

”Zählt sie einmal! Es werden genau Zwanzig sein. Meine Herren und Damen, ich gebe mir die Ehre, mich Ihnen vorzustellen. Ich bin kein Amerikaner, der Weine und Spiritus geladen hat. Ich habe geladen einige hundert Enterbeile, verschiedene Zentner Pulver, ein ganzes Arsenal vortrefflicher Waffen und zwanzig Kanonen, bei denen genug Leute stehen, um diesen guten Dreimaster in den Grund zu bohren. Mein Name ist Robert Surcouf!“

Es läßt sich nicht beschreiben, welche Wirkung diese Worte auf die Versammlung hervorbrachten. Die harten, unerschrockenen Männer, die so manchen Gefahren furchtlos in das Auge geschaut hatten, verstummten vor dem Namen, den sie soeben gehört hatten. Sie blieben sogar unbeweglich, als einige der Leute Surcouf's auf's Schleunigste die Luken besetzten, damit die Matrosen des Kauffahrers nicht an Deck kommen könnten. Kapitän Sarald faßte sich zuerst. ”Robert Surcouf?“ fragte er. ”Seid Ihr wirklich Surcouf?“ ”Ich bin es. Und diese Brigg ist der "Falke des Aequators". Sehen Sie meine Leute an, Messieurs! Dieselben werden sehr höflich mit Ihnen sein, so lange Sie es verdienen; an demjenigen aber, welcher zu widerstreben wagt, werden sie die Schärfe ihrer Waffen erproben. Bedenken Sie, daß Sie es mit zwanzig Burschen zu thun haben, welche nicht gewöhnt sind, ihre Feinde zu zählen, und bedenken Sie, daß hier an der Seite dieses Schiffes zwanzig Kanonen auf mein Kommando warten, dieses Schiff in den Grund zu schießen. Sie haben von Surcouf gehört, aber Sie haben ihn noch nicht gesehen; heut soll Ihnen die Ehre zu Theil werden, ihn kennen zu lernen. Es sind Frauen an Bord, und Robert Surcouf ist ein Franzose. Ein Franzose wird nie die Achtung und Ehrerbietung verletzen, welche er Frauen schuldig ist. Darum will ich heut einmal nicht daran denken, daß Sie die Feinde meines Volkes sind, und daß mein Schiff ein Kaper ist, dem Sie verfallen sind. Was ich verlange, können Sie leicht gewähren. Ich wünsche, daß meine braven Jungens an dem Feste Theil nehmen dürfen, welches Sie geben; ich wünsche ferner, daß ihnen ein Tänzchen erlaubt sei mit den Frauen, welche das Fest verschönern. Wenn Sie mir dies gewähren, so verspreche ich Ihnen, daß Ihnen kein Haar auf Ihrem Haupte gekrümmt wird, daß Sie nicht den mindesten Verlust zu erleiden haben, und daß unser geselliges Beisammensein so fröhlich enden wird, wie es begonnen hat. Surcouf hat lauter anständige Männer an Bord; der Letzte seiner Leute ist ein Cavalier. Jetzt haben Sie zu entscheiden. Thun Sie es schnell!“

Er verbeugte sich und trat einige Schritte zurück, um mit den beiden Pistolen zu spielen, welche er aus der Tasche zog. Die Männer, welche ohne Ausnahme waffenlos waren, steckten verlegen und flüsternd die Köpfe zusammen; die Weiblichkeiten aber betrachteten mit furchtsamer Neugierde den berühmten Privateer und seine Untergebenen, welche, bis an die Zähne bewaffnet, das Achterdeck von dem übrigen Raume abgesperrt hielten.

Die Berathung der Männer war bald zu Ende, und der Aelteste von ihnen nahm das Wort:

”Kapitän Surcouf, wir gestehen Ihnen, daß Sie uns in eine zweifelhafte Lage gebracht haben. Unsere Pflicht wäre es, mit Ihnen zu kämpfen; halt!“ – unterbrach er sich, als er sah, daß Surcouf bei dem letzten Worte die Hähne seiner Pistolen aufzog – ”lassen Sie mich ausreden! Wir sollten eigentlich mit Ihnen kämpfen; aber Sie selbst sagen mit Recht, daß die Gegenwart unserer Frauen und Töchter einige Rücksicht erfordert. Es soll daher zwischen uns ein Waffenstillstand geschlossen werden, welcher bis zum Anbruch des Morgens dauert; dagegen verlangen wir jedoch, daß das uns von Ihnen gegebene Versprechen buchstäblich erfüllt werde!“

”Es wird erfüllt; ich gebe Ihnen mein Ehrenwort,“ antwortete Surcouf. ”Doch werden Sie mir eine nothwendige Bedingung gestatten. So lange ich mich bei Ihnen befinde, darf kein Mensch ohne meine ausdrückliche Erlaubniß an Bord kommen, noch von Bord gehen oder sonst etwas unternehmen, was meine Sicherheit gefährdet und Sie dadurch in Gefahr bringen würde. Mein Schiff bleibt längsseite bei dem Ihrigen liegen, um die Erfüllung meiner Bedingungen zu überwachen, und sobald die Sonne am Horizont steht, ist der Waffenstillstand abgelaufen. Reichen wir uns als Ehrenmänner zum Zeichen des Einverständnisses die Hände!“

Diese Bedingungen wurden angenommen, und ein Jeder bekräftigte durch Handschlag, sie zu halten. Nun gab Kapitän Sarald ein Zeichen, und die Musik begann auf's Neue. Männer und Weiber durften das Vorderdeck wieder betreten; Freund und Feind mischte sich unter einander. Die Leute des ”Falken“ zeigten sich gegen die Frauen so zart und anständig, daß das Vergnügen nicht durch den geringsten Hauch getrübt wurde.

Endlich, lange nach Mitternacht, gab Surcouf während einer Pause das Zeichen, daß er sprechen wolle. Man bildete einen Kreis um ihn.

”Messieurs und Mesdames,“ sagte er, ”ich stehe im Begriffe, mich von Ihnen zu verabschieden. Ich danke Ihnen für die Ehre, welche Sie mir durch die Erlaubniß, an Ihrem Vergnügen Theil zu nehmen, erwiesen haben; noch mehr aber danke ich Ihnen dafür, daß ich nicht gezwungen worden bin, von meinen Waffen Gebrauch zu machen. Ich liebe den Frieden, doch fürchte ich den Kampf nicht. Hätten Sie meine Vorschläge abgewiesen, so lebten Viele von Ihnen nicht mehr, und dieses Schiff befände sich jetzt als meine Prise auf dem Wege nach einem französischen Hafen. Suchen Sie unter Ihren Bekannten meine Bitte zu verbreiten, mir nicht unvorsichtig zu widerstreben, wenn ich meine Flagge zeige. Das Schiff, welches ich einmal als Feind betrete, verlasse ich entweder als Sieger, oder es fliegt mit mir und seiner Bemannung in die Luft; dies ist das Geheimniß meiner Unüberwindlichkeit. England bereitet meinem Vaterlande einen fortdauernden, unersetzlichen Schaden; zürnen Sie also nicht mir, wenn man Repressalien gebraucht. England hat uns die besten Schiffe unserer Marine genommen oder zerstört; verdenken Sie es nicht mir, wenn nun auch ich ein jedes britische Fahrzeug nehme, welchem ich begegne. Wir scheiden jetzt in Frieden; wünschen wir um Ihretwillen nicht, daß wir uns auf offener See wiedersehen, denn dann würde ich es sein, welcher aufspielen läßt, aber zu einem weniger friedlichen Tanze. Kapitän Sarald mag jedoch überzeugt sein, daß sein Schiff der einzige Engländer ist, den Robert Surcouf betreten hat, ohne ihn in's Schlepptau zu nehmen. Er hat dies den Frauen zu verdanken. Leben Sie wohl!“

Fünf Minuten später flog der ”Falke“ mit vollen Segeln hinaus in die offene See; die Kapitäns kehrten auf ihre Fahrzeuge zurück, um die Erfahrung reicher, daß Frankreich einen Seemann besitze, der für einen höheren Wirkungskreis geboren sei 1) Er hatte in ihnen neue und eifrige Verbreiter seines Ruhmes gefunden.

Wenig über eine Woche später ging in Pondischery die Nachricht ein, daß Robert Surcouf auf der Höhe von Colombo ein englisches Handelsvollschiff weggenommen habe. Darauf sei er einer Corvette mit fünfundzwanzig Kanonen begegnet, die ihm die Prise wieder abnehmen wollte; aber er habe auch diese Corvette geentert und dann beide Schiffe nach Isle de France gebracht. Diese vollständig verbürgte Nachricht trug nicht dazu bei, die Furcht vor dem kühnen Kaper zu vermindern. Das indische Gouvernement traf Maßregeln über Maßregeln; es sandte Kriegsschiffe aus, Surcouf zu fangen oder zu tödten; es setzte sogar einen hohen Preis auf seinen Kopf, aber diese Bemühungen blieben ohne allen Erfolg.

Napoleon's Plan, England in Indien anzugreifen, war an der Unfähigkeit seines Admirales gescheitert. Und hier brachte ein einzelner Mann, der nur ein kleines Fahrzeug befehligte, einen Schrecken über alle indischen Besitzungen des stolzen Albion, einen Schrecken, welcher den Handel England's ungemein schädigte, da man sich mit reicher Fracht kaum mehr in jene Breiten getraute und die Versicherungsbanken ganz bedeutende Prämien forderten, ehe sie die Garantie einer Ladung übernahmen, welche nach dem Jagdgebiete Surcouf's bestimmt war.

1) Auch der Ballabend auf dem englischen Dreimaster ist geschichtliche Thatsache. Natürlich war der Ruf seiner Thaten längst nach Frankreich gedrungen, besonders durch den Gouverneur von Mauritius, bei welchem er seine Prisen zu deponiren pflegte, und von welchem auch die daraus gelösten Summen nach Paris übermittelt wurden. Man ward auf ihn aufmerksam; die Marinebehörde trat unter der Hand mit ihm in Unterhandlung; sie ließ ihm durch dritte und vierte Stelle immer höher steigende Anerbietungen machen; er aber that, als ob er diese Offerten nicht verstehe oder nur für eine leere Phrase halte.

Da plötzlich tauchte das Gerücht auf, daß ein berühmter englischer Parteigänger mit Kaperbriefen nach Indien gekommen sei, um sich den auf Surcouf gesetzten Preis zu verdienen. Er hatte sein Schiff ”Eagle“ (Adler) genannt, um anzudeuten, wie sehr er dem ”Falken“ überlegen sein werde. Dieser Kapitän hieß Schooter, hatte eine sehr bewegte Vergangenheit hinter sich und war besonders berüchtigt durch die Härte, mit welcher er die Disciplin seines Schiffes handhabte.

Die Wahrheit dieses Gerüchtes bewährte sich, denn man hörte sehr bald, daß Schooter einige kleine französische Kauffahrer weggenommen hatte. Die Mannschaft derselben hatte er über die Klinge springen lassen, trotzdem sie völlig unbewaffnet in seine Hände gefallen war. Diese Grausamkeit verstieß gegen alles völkerrechtliche Uebereinkommen und rief die Mißbilligung aller menschlich Denkenden hervor; noch entrüsteter aber wurde man über ihn, als man erfuhr, daß er einen förmlichen und zwar mitleidslosen Krieg mit allen Menschen führe, die Franzosen waren. Er suchte die Inseln und Küsten des Indischen Meeres förmlich ab, und fand er in irgend einer Niederlassung einen Ansiedler französischer Nationalität, so war es um diesen und sein Eigenthum geschehen. Ganz besonders hatte er es auf die Missionäre katholischen Bekenntnisses abgesehen. Fiel ein solcher Glaubensbote in seine Hände, so war derselbe unbedingt verloren; man erzählte sich sogar, daß er solche Gefangene gewöhnlich den wilden Inselbewohnern ausgeliefert habe, wo sie vor dem Tode die raffinirtesten Leiden zu erdulden gehabt hätten. Auf diese Weise verschwand damals mancher Priester der Mission, welcher sich vereinzelt in jene Breiten gewagt hatte, und während er auf Borneo, Celebes oder Timor einem fürchterlichen Schicksale erlag, glaubten die Seinen ihn so lange auf einer jener Inseln in voller, christlicher Thätigkeit, bis sie nach Jahren ihn endlich für verschwunden erklären mußten.

Die letzte dieser Thaten hatte Schooter an demjenigen Theile der Küste von Java verrichtet, welcher der Insel Bali gegenüber liegt. Um diese Zeit lag in dem kleinen javanischen Hafen Kalima ein kleiner Klipper vor Anker, an dessen Brust man den Namen ”Jeffrouw Hannje“ lesen konnte. Nach diesem Namen zu urtheilen, schien er niederländischer Nationalität zu sein, trotzdem sein Bau sehr von dem in Holland gebräuchlichen abwich. Es kümmerte sich übrigens kein Mensch um ihn, denn Kalima war damals erst im Entstehen begriffen, und man hatte mehr zu thun, als sich um die Schiffspapiere eines friedlichen, kleinen Seefahrers zu bekümmern.

Der bedeutendste Ansiedler Kalima's war ein gewisser Davidson, welcher mit dem Kapitän der ”Jeffrouw Hannje“ Geschäfte haben mußte, denn dieser hatte sich bei ihm einlogirt, während seine Leute ohne Ausnahme an Deck hatten bleiben müssen. Die beiden Männer saßen in einer offenen Verandah [Veranda], deren Blätterdach genügenden Schutz vor

den Sonnenstrahlen bot, rauchten feine Sumatra und lasen in den neuesten Zeitungen, deren Datum aber trotzdem mehrere Monate älter war. Damals bedurfte es fast eines Vierteljahres, um eine europäische Zeitung nach Java zu expediren. ”Also hört, Kapitän, der Napoleon ist zum lebenslänglichen Consul ernannt worden,“ bemerkte der Ansiedler.

”Ich las es bereits vorhin,“ nickte der Angeredete, welcher kein Anderer als Surcouf war. ”Man wird nächstens die Nachricht erhalten, daß er König oder Kaiser geworden ist.“

”Sprechen Sie im Ernste?“

”Vollständig! Dieser Consul Bonaparte ist ein Mann, der nicht auf halbem Wege stehen bleibt.“ ”Ah, Sie sind ein Bewunderer von ihm?“ ”Nein, obgleich ich anerkenne, daß er ein Genie ist. Ich diene meinem Vaterlande und achte einen Jeden, welcher sich be müht , dasselbe von dem Drucke England's zu befreien. In diesem Punkte besitzt der Consul meine vollste Sympathie. Nur weiß ich nicht, ob er den allein richtigen Weg zum Ziele einschlagen wird. Die Macht England's wurzelt in seinen Colonien und in dem Vorrang, welchen es sich in Angelegenheiten des Welthandels angemaßt hat. Man nehme ihm diese Colonien; man führe seinen merkantilischen Einfluß auf das richtige Maß zurück; man schwäche seine Verbündeten und stärke seine Gegner; was weiß ich noch! Ich bin nicht Consul, und es genügt ja, wenn nun er das Richtige trifft. Die Hauptsache aber ist die Schaffung einer Flotte, welche Achtung zu gebieten vermag. Der Consul ist seinem Lande und seinem Volke die Politik des Friedens schuldig. Und wenn er dies beherzigt, so kennt er nur einen einzigen wirklichen Feind, und dieser heißt England. Dieser Gegner aber ist erfolgreich nur zur See zu bekämpfen.“

”Wie Sie es im Kleinen thun, Kapitän. Uebrigens muß es für einen Mann von Ihren Fähigkeiten mit einer gewissen Ueberwindung verbunden sein, friedliche Kauffahrer wegzunehmen.“

”Warum? Meinen Sie vielleicht, weil dieses Verfahren der Piraterie ähnlich sieht? Kennen Sie einen größeren Piraten als England? Es untersucht und confiscirt nach Belieben die Handelsschiffe friedlicher Mächte; es schließt die Häfen der Nationen nach Gutdünken; es tödtet den Handel und dadurch das Gewerbe der Völker; es macht auf diese Weise Millionen fleißiger Arbeiter brodlos, nur um Alles an sich selbst zu reißen. Was es im Großen thut, thue ich im Kleinen; während es gegen Nationen sündigt, welche kein Verschulden trifft, operire ich ehrlich und offen gegen einen Feind, der sich ebenso rücksichtslos wie unversöhnlich zeigt. Verurtheilen Sie mich, wenn Sie es können! Hat England nicht Hunderte von Kapern unter Segel? Und was für Männer sind dies? Denken Sie nur an den nichtswürdigen Schooter, welcher kein Mensch, sondern ein Teufel ist! Sollen wir die Waffen senken, um uns feig und wehrlos ersticken zu lassen? Und wenn ich dies thun wollte, so dürfte ich es nicht, denn ich habe heilige Verpflichtungen zu erfüllen. Auf meinem Schiffe befinden sich vierzig wackere Männer, welche ich zu ernähren habe, und glauben Sie ja nicht, daß dies meine ganze Familie ist! In Bengalen habe ich Greise, welche in den französischen Colonien dienten und nun von den Engländern nichts empfangen; ich habe zahlreiche Ansiedlersfamilien, welche durch die englischen Coloniekriege zu Grunde gerichtet wurden; ich habe arme Franzosen, welche mittellos in die Fremde gingen, weil sie durch die Revolution vertrieben wurden und die nun etwas Geld brauchen, um ein wenig Land urbar zu machen; ich habe fromme Männer, welche unter die Heiden gingen, um das Wort Gottes zu predigen, durch die Kälte und den Unglauben der gegenwärtigen Richtung aber ihre Subsistenz bedroht sehen. Nun wohl, ich bin ihrer Aller Versorger. Ich gebe den Invaliden Pensionen, den zu Grunde Gerichteten Entschädigungen, den Ansiedlern Unterstützungen, den Missionären Schutz und Lebensunterhalt. Frankreich thut es nicht, wenn ich es nicht thue; in Paris wird keiner der Briefe geöffnet, in welchen die in der Ferne befindlichen Kinder des Landes vergeblich um Hülfe flehen. Was soll aus ihnen werden, wenn Robert Surcouf die Waffe niederlegt und dann gezwungen ist, seine Hand von ihnen zu ziehen!“

Davidson sprang auf, um dem braven Seemann seine Hand zu reichen. ”Kapitän, ich weiß das Alles,“ rief er, ”denn ich selbst bin es ja, durch dessen Hand so viele Ihrer Gaben fließen. Frankreich hat keine Ahnung, welchen Mann es hier in diesem Winkel der Erde besitzt, und – – –“

Er wurde unterbrochen; es trat ein Matrose Surcouf's herein und meldete seinem Herrn, daß der ”Eagle“ am Ostende der Insel vorgestern eine Pflanzung überfallen und einen Priester mit sich genommen habe.

”Wer sagt es?“ frug der Kapitän.

”Soeben hat ein holländischer Sluger*) Anker geworfen, von dem erfuhren wir es.“

”So ist es keine Erfindung. Sehen Sie, Davidson, daß ich nicht ruhen darf! Dieser Mensch will sich den Preis verdienen, den die Herren Engländer auf meinen Kopf gesetzt haben;

*) Zweimaster mit Gaffelsegel und einer Schraube als Auxiliarkraft. ich aber habe seine Spur bis heut vergeblich gesucht. Jetzt finde ich sie, und nun will ich ihm meinen Kopf zeigen. Adieu, Davidson. Ich lasse Alles im Stich, denn ich weiß, daß wir uns baldigst wiedersehen.“

Der seltene Mann eilte in einer Stimmung, welche man fast Begeisterung nennen mochte, nach dem Hafen und auf sein Schiff. In weniger als einer Viertelstunde segelte er bereits zu dem kleinen Hafen hinaus, und kaum hatte er Kalima hinter sich, so ließ er zwei Männer am Bug herab, welche den Namen ”Jeffrouw Hannje“ überstreichen mußten. Dies war in kurzer Zeit geschehen, und dann wurde der eigentliche Name des Fahrzeuges, ”le faucon“,*) wieder angebracht.

Der Wind wehte günstig, und so erreichte der ”Falke“ bereits nach drei Stunden die Ostspitze Java's, wo die betreffende Niederlassung zu suchen war. Zwischen hier und der Insel Bali hindurch auf Kap Butur zuhaltend, gewahrten sie am Ausflusse eines Baches die Trümmer mehrerer verbrannter Hütten liegen, neben welchen einige Leute bereits beschäftigt waren, neue zu errichten. Surcouf ließ die Segel fallen, fuhr möglichst nahe an das Land und bestieg sodann ein Boot, um sich zur Küste rudern zu lassen.

Die Leute waren aufmerksam auf das Schiff und das nahende Boot geworden und hatten sich schleunigst in den Schutz eines nahen Eisenbaumwaldes zurückgezogen. Als der Kapitän landete, sah er wohl verbrannte Hütten, verwüstete Gärten, zerstörte Felder, aber keinen Menschen, welcher ihm Auskunft zu geben vermochte. Erst nach langem Rufen vernahm er aus der Ferne einen menschlichen Ton als Antwort und dann hörte er die Frage:

”Was ist das für ein Schiff?“

”Ein Franzose,“ antwortete er.

Er hatte aus Vorsicht unterlassen, die Flagge aufzuziehen. Auf seine Antwort jedoch rauschte es bald in den Büschen, und er sah einen Mann hervortreten, welcher einen kräftigen Knüttel in der Rechten hielt.

”Kommen Sie näher und fürchten Sie sich nicht,“ sagte der Kapitän. ”Ich bin ein Freund aller friedfertigen Leute und werde Ihnen nichts Schlimmes, sondern nur Gutes erweisen. Uebrigens sehen Sie ja, daß ich allein bin. Meine beiden Ruderer sind im Boote zurückgeblieben.“

Da kam der Fremde näher. Er war eine hohe, breite, muskulöse Gestalt mit einem intelligenten Gesichte, in welchem jedoch ein Zug tiefer Schwermuth vorherrschend zu sein schien. Bekleidet war er nur mit dünnen, weißen Hosen und mit einer weißen Blouse.

”Ihr Fahrzeug kam uns verdächtig vor,“ entschuldigte er sich; ”darum zogen wir uns zurück.“ ”Was an meinem Schiffe hat Ihren Verdacht erregt?“ frug Surcouf. ”Hm, eben nichts Bestimmtes. In diesen Breiten sind vier Schiffe unter zehn ganz sicher Seeräuber, und nach den Erfahrungen, welche wir gemacht haben, ist es eine Kunst, Vertrauen zu besitzen.“

”Ich habe gehört, daß der "Eagle" hier gewesen ist. Sie gehören natürlich zur hiesigen Ansiedlung?“

”Erst seit vorgestern. Ich gehörte zur Bemannung des ”Eagle“ und habe die Gelegenheit benutzt, am Lande zurückzubleiben.“ ”Ah!“ machte Surcouf erstaunt. ”Sind mit Schooter gefahren?“ ”Leider! Er hat mich gepreßt, und es ist mir schlecht genug ergangen, ehe es mir gelang, mich zu salviren.“

”Wenn das so ist, so sehen Sie sich einmal mein Schiff an. Hier haben Sie mein Rohr dazu.“

Der Mann nahm das Fernrohr; kaum aber hatte er dasselbe auf die Brigg gerichtet, so nahm er es mit einem lauten Ausrufe des Erstaunens wieder vom Auge:

”Le faucon! Ist es möglich! Le faucon, Kapitän Robert Surcouf?“ ”Allerdings. Surcouf bin ich selbst.“ ”Sie, Sie sind es! O Herr, dann segne ich die Stunde, in welcher ich vom "Adler" entflohen bin, denn nun weiß

*) Surcouf nannte sein Schiff zuweilen auch nach seiner Heimat, der Bretagne ”le breton“. ich, daß dieser fürchterliche Schooter seinen Lohn empfangen wird!“

”So weit es in meiner Macht liegt, soll er ihn erhalten. Erzählen Sie!“

”Erlauben Sie mir vorher, die Andern zu benachrichtigen, damit sie nicht länger in Sorge sind.“ Er entfernte sich und kehrte bald mit zwölf Personen, acht Erwachsenen und vier Kindern zurück, welche Surcouf mit Jubel willkommen hießen.

Die kleine Colonie hatte aus zwei verheirath